Im dreizehnten Jahrhundert war dieser Turm das Gefängnis des Ezzelino da Romano, des Tyrannen, den Dante unter die Gewalttätigen setzte, und darin wurde gefoltert; im achtzehnten Jahrhundert beschloss die Republik Venedig, dass die Universität Padua eine Sternwarte haben solle, und Abt Giuseppe Toaldo wählte ihn, weil er das höchste Bauwerk der Stadt war. Domenico Cerato verwandelte ihn zwischen 1767 und 1777: oben ein achteckiger Saal mit ringsum laufenden Fenstern, um den ganzen Himmel zu beobachten, auf halber Höhe ein Raum für Meridianbeobachtungen, und über dem Portal eine Tafel, die festhält, dass ein Folterturm ein Ort der Wissenschaft geworden war. 1773 setzte Toaldo darauf den ersten Blitzableiter an einem öffentlichen Gebäude der Serenissima.
Sehenswertes
Der Aufstieg, der Teil des Besuchs ist: zweihundertzweiundfünfzig Stufen in der Turmmauer, mit Fenstern, die sich zu den Dächern Paduas öffnen. Auf halber Höhe der Meridiansaal, wo auf dem Boden die Linie des genauen Mittags verläuft und an der Wand der große Mauerquadrant steht, 1779 aus England über das Meer und dann per Boot auf dem Kanal gekommen, millimetergenau auf die Nord-Süd-Achse ausgerichtet. Es waren die Instrumente, mit denen der Stadt die Zeit gegeben wurde, bevor das Radio sie gab.
Oben der achteckige Saal, 1773 vom Vicentiner Giacomo Ciesa mit astronomischen Motiven freskiert, die Toaldo erdachte: die Sternbilder, die Planeten, die antiken Astronomen. Und die Terrasse, nach Süden breiter, weil man auf unserer Halbkugel von dort den Himmel betrachtet, mit den Fernrohren auf Rädern, die in klaren Nächten hinausgeschoben wurden. Von dort oben sieht man ganz Padua, den Santo, den Salone, die Euganeischen Hügel. Im Museum die Instrumente des achtzehnten Jahrhunderts, die Pendeluhren und die alte Bibliothek der Sternwarte.
Der Besuch
Die Specola liegt am Vicolo dell'Osservatorio am Bacchiglione, zehn Minuten vom Prato della Valle und vom Zentrum; sie wird nur mit Führung nach Voranmeldung besichtigt, an festen Tagen und Zeiten, mit eigenem Ticket und in kleinen Gruppen, weil die Treppe eng ist. Eine gute Stunde. Sie eignet sich nicht für alle, die sich zweihundertfünfzig Stufen nicht zutrauen.
Tipp der Redaktion
Bleiben Sie im Meridiansaal stehen und bitten Sie die Führung zu zeigen, wie man den Mittag ablas: Ein Sonnenstrahl fällt durch ein Loch auf die Linie, und dieser Moment war Paduas amtliche Zeit. Dann steigen Sie ganz hinauf und schauen nach Süden, wo die Terrasse breiter ist: Es ist der einzige Ort der Stadt, der eigens gebaut wurde, um nach oben und nicht nach unten zu schauen.
