Die Venezianer nennen sie San Zanipolo, und sie ist die größte Kirche der Stadt: als Pantheon Venedigs gilt sie wegen der Zahl der Dogen, die in ihr bestattet sind. Am Anfang steht eine Legende, die einer Vision des Dogen Jacopo Tiepolo, der den Dominikanern im Jahr 1234 das Oratorium San Daniele schenkte; was er sah, wird allerdings nicht erzählt. Achten Sie auf das Patrozinium: die Johannes und Paulus des Titels sind nicht die Apostel, sondern zwei römische Märtyrer des vierten Jahrhunderts. Es war derselbe Doge, der wenige Jahre zuvor den Franziskanern das Gelände der Frari überlassen hatte: zwei Bettelorden, zwei riesige Kirchen, ein einziger Stifter.
Sehenswertes
Die Innenseite der Fassade gehört ganz den Mocenigo und taugt als Lektion in Kunstgeschichte. Das Grabmal des Dogen Pietro Mocenigo von Pietro und Tullio Lombardo ist das erste, in dem sich diese Bildhauerfamilie von der Tradition löst: das Grab ist dreigeteilt wie ein römischer Triumphbogen, und der Doge liegt nicht, sondern steht aufrecht und stolz da, dargestellt als bereits Auferstandener und in die Achse der Statue des auferstandenen Christus gesetzt. Daneben führt das Grabmal des Giovanni Mocenigo, von Tullio, den Gedanken zu Ende: glatte Flächen, richtige Proportionen und Kapitelle, exakt kopiert von jenen des Titusbogens in Rom.
Der Besuch
Betrachten Sie den leeren Raum des Langhauses und wissen Sie, dass er eine Entscheidung ist. Bis ins siebzehnte Jahrhundert war das Hauptschiff quer durch den Mönchschor geteilt, wie es heute noch bei den Frari der Fall ist; hier wurde er abgerissen, um Platz für die feierlichen Zeremonien zu schaffen, besonders für die Begräbnisse der Dogen. Von jenem Bau blieben nur zwei Altäre, jener der heiligen Katharina von Siena und jener des heiligen Joseph, an der Kreuzung von Langhaus und Querschiff. Der Rest der Kirche ist hoch und frei, weil der Staat eine Bühne brauchte.
Tipp der Redaktion
Betreten Sie die Rosenkranzkapelle in dem Bewusstsein, dass das, was Sie sehen, eine Rekonstruktion ist. In der Nacht vom fünfzehnten auf den sechzehnten August 1867 zerstörte ein Brand die angeschlossene Scuola Grande del Rosario samt den dort verwahrten Gemälden vollständig. Der Paduaner Schriftsteller Alessio De Besi schrieb den Brand in einem im selben Jahr erschienenen Roman einer ruchlosen und frevelhaften Hand zu und spielte damit auf die damals in der Stadt aktiven atheistischen Banden an, die tatsächlich Kapitelle und Heiligenbilder in den Gassen beschädigten; einen Beweis dafür brachte er jedoch nicht. Sechzig Jahre zuvor, im Jahr 1807, waren die Dominikaner bereits aus ihrem Kloster vertrieben worden, das man in ein Krankenhaus umwandelte, und die Kirche vieler Werke beraubt.
