Fährt man mit dem Vaporetto den Canal Grande entlang, sieht man einen byzantinischen Palast mit niedrigem Bogenportikus und zwei Türmen an den Seiten, scheinbar den ältesten der Stadt. Zum Teil ist er das: Der Kern geht auf 1225 zurück, als ihn ein Kaufmann aus Pesaro bauen ließ. Doch fast alles, was man heute sieht, ist eine Rekonstruktion des neunzehnten Jahrhunderts, entstanden, als das Gebäude eine Ruine war: Der Restaurator baute es neu nach der Vorstellung, die man damals vom alten Venedig hatte, und es ist eine der umstrittensten Restaurierungen der Stadt.
Sehenswertes
Der Name stammt aus der Zeit, als der Palast an osmanische Kaufleute vermietet war: Ab 1621 und zwei Jahrhunderte lang war er ihr Fondaco, also Lager, Unterkunft und Handelsplatz in einem. Drinnen lagen die Warenspeicher, die Zimmer, ein Bad und ein Gebetsraum; die Fenster zur Stadt waren vermauert, man trat vom Wasser ein. So hielt man eine fremde Gemeinschaft getrennt und zugleich geschützt, mit der man in denselben Jahren Geschäfte machte und Kriege führte.
Heute beherbergt der Palast das Naturhistorische Museum, das eine Abteilung über paläontologische Expeditionen in der Sahara hat: Der berühmteste Saal birgt das Skelett eines pflanzenfressenden Dinosauriers und das eines riesigen Krokodils, in den siebziger Jahren aus dem Niger mitgebracht. Erzählt klingt die Kombination absurd, und sie bleibt einer der kuriosesten Besuche Venedigs.
Der Besuch
Der Palast liegt im Sestiere Santa Croce, Vaporetto-Haltestelle San Stae, zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof; das Museum hat eine eigene Karte, einen Ruhetag und im Winter kürzere Zeiten. Anderthalb Stunden. Die Fassade sieht man am besten vom Boot oder vom gegenüberliegenden Ufer in Cannaregio.
Tipp der Redaktion
Sehen Sie ihn von der Uferstraße gegenüber an, bei San Marcuola, und vergleichen Sie ihn mit dem niedrigen, strengen Gebäude daneben, dem Fontego del Megio, das blieb, wie es war. Das erste ist, wofür das neunzehnte Jahrhundert Venedig hielt; das zweite ist Venedig. Sie nebeneinander an demselben Kanal zu haben, ist die klarste Restaurierungslektion, die die Stadt geben kann.
