Der Lido ist ein zwölf Kilometer langer Sandstreifen zwischen Lagune und Adria, und innerhalb Venedigs der einzige Ort, an dem Autos fahren. Hier sah Goethe zum ersten Mal das Meer, hier lagerten 1202 die Kreuzfahrer vor dem Aufbruch zum Vierten Kreuzzug, hier wies die Republik den Juden schon 1389 einen Friedhof zu, und hier entstand Ende des neunzehnten Jahrhunderts das erste Seebad Italiens für den Adel Europas: Die Hotels wuchsen in wenigen Jahren, das Hotel des Bains 1900, das Excelsior 1908, und mit ihnen die Jugendstilvillen. Thomas Mann siedelte hier den Tod in Venedig an, und seit den dreißiger Jahren ist der Lido jeden Spätsommer die Filmfestspiele.
Sehenswertes
Das Rückgrat der Insel ist der Gran Viale Santa Maria Elisabetta, siebenhundert Meter von der Anlegestelle bis zum Meer, mit Platanen und Cafés; zu beiden Seiten die Villen der Goldenen Insel, wie man sie nannte, und am Strand die Majolikafassade des Hotels Ausonia und Hungaria, eines der wichtigsten Zeugnisse des Jugendstils in Europa. Im Süden, an der Strandpromenade, der Palazzo del Cinema und das maurische Excelsior, wo Onassis 1957 bei einem Mittagessen am Strand zum ersten Mal Maria Callas begegnete. An der Nordspitze die Kirche San Nicolò, die sich die Reliquien des Heiligen mit Bari teilt, und der restaurierte alte jüdische Friedhof; an der Südspitze Malamocco, das Dorf, das vor Rialto Hauptstadt des Herzogtums war, und die Dünen der Alberoni mit ihrem Pinienwald, unter den besterhaltenen der oberen Adria.
Der Besuch
Vom Zentrum Venedigs ist man mit dem Vaporetto in einer Viertelstunde da, von den Zattere oder von San Zaccaria, und Fahrräder leiht man bei der Ankunft: der richtige Weg, um die Insel von einem Ende zum anderen zu durchfahren. Die Strände vor den Hotels sind größtenteils privat, mit kostenpflichtigen Kabinen; die freien liegen an den beiden Spitzen, San Nicolò und Alberoni. Die Murazzi, die Ufermauer der Republik aus dem achtzehnten Jahrhundert, laufen an der Südküste entlang.
Tipp der Redaktion
Kommen Sie im September, wenn die Festspiele vorbei sind und das Wasser noch warm ist: Die Hotels leeren sich, der Strand der Alberoni gehört wieder den Venezianern, und abends fährt das Vaporetto zurück ins Markusbecken mit der beleuchteten Stadt vor sich, der beste Blick, den Venedig zu bieten hat, und er kostet den Preis einer Fahrkarte.
