Das erste Dokument, das die Burg nennt, stammt von 1237: Friedrich II. übergibt die Festung an Gentile da Petruno. Der Ursprung ist älter, denn eine erste Befestigung dürfte schon bestanden haben, als die Langobarden im 7. Jahrhundert die Siedlung auf dem Hügel gründeten, im heute noch Torricella genannten Viertel. Von den Anjou ging der Besitz an die De Porcellis, die ihn nur kurz hielten, und dann an einen Zweig der Caracciolo, einer neapolitanischen Familie, die hier dauerhaft residierte: 1561 ließ Marcantonio Caracciolo den Bergfried in ein Gefängnis umbauen, und seine Nachkommen blieben bis 1875 Herren des Lehens, als die letzte Erbin, Maria Giulia Caracciolo, alles dem Baron Luigi Barracco schenkte.
Sehenswertes
Der Bau bedeckt pro Geschoss über dreitausend Quadratmeter und hat die Form eines großen Schiffs, vorgegeben vom Hügel selbst: eingefasst vom Wildbach Pergola und vom Fiumicello, schiebt er sich wie eine Halbinsel ins Tal. Hinauf ging es über eine offene Freitreppe, die am Palazzo dell'Amministrazione begann und bis zur Aufschüttung am Fuß des viereckigen Turms führte. Die Gemächer der Markgrafen lagen im dritten Stock; im zweiten und im ersten waren Dienerschaft, Vorratsräume und Waffenkammer untergebracht, dazu ein weiter Keller mit großen Fässern. Der runde Turm dagegen diente jahrhundertelang als Kerker, mit einem Gitter verschlossen und von bewaffneten Wachen bewacht.
1783 erweiterte Litterio Caracciolo die Burg und füllte sie mit Kunstwerken; fünf Jahre später, 1788, gründete er den Monte del Santissimo Rosario neu, eine Einrichtung, die Arme mit kostenlosen Arzneien versorgte und vier Mitgiften im Jahr sicherte, und er eröffnete eine Scuola Normale für Kinder aller Stände. Von diesem Reichtum ist wenig geblieben: Das Mobiliar wurde im 20. Jahrhundert verkauft, die Portale wurden geplündert, nachdem die Burg nach dem Erdbeben von 1857 aufgegeben worden war. Was heute steht, ist das Ergebnis der Restaurierung, die nach dem Beben von 1980 begann.
Der Besuch
Die Burg gehört der Gemeinde Brienza, die weiter restauriert und zugleich den mittelalterlichen Ortskern unterhalb der Anlage erneuert: Von dort steigt man durch die Gassen hinauf. Bis 1811 gehörten Burg und Ort zum Principato di Citra, nicht zur Basilikata. Ein Dokument von 1625 beschreibt Räume mit sorgfältig gearbeitetem Nussbaummobiliar, dazu Backofen, Waschhaus, Zisterne und eine Privatkapelle.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie das Viertel Torricella auf dem Hügel: Dort begann im 7. Jahrhundert alles. Und wenn Ihnen jemand von Bianca da Brienza erzählt, der Bidibù der örtlichen Sagen, dann wissen Sie: Die Geschichte zählt 365 Zimmer in der Burg und ein geheimes Zimmer 366, das des Schatzes, dessen Lage nur sie und ihre Zofe kannten.
