Von der ältesten Kirche Brienzas ist der Grundriss geblieben. Sie liegt unterhalb des bewohnten Ortes, zum Fluss hin, und die Mauerzüge, die man noch erkennt, zeichnen jenen dem heiligen Martin geweihten Bau nach, der um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert errichtet wurde und als erste Kultstätte der Burgentia Fidelis gilt, also der befestigten Siedlung, aus der der Ort hervorging. Sie war eine der sechs Pfarreien Brienzas, neben Santa Maria Assunta, Santa Elisabetta, San Zaccaria, San Michele dei Greci und der Santissima Annunziata. Das Viertel ringsum war der älteste Teil des Ortes, jener aus dem 7. Jahrhundert: Nach dem Erdbeben von 1857 wurde es aufgegeben und nie wieder bewohnt.
Sehenswertes
Es gibt kein Inneres zu besichtigen, es gibt einen Grundriss. Der Mauerring gibt das Maß der Kirche wieder und sonst wenig, und genau deshalb lohnt der Weg: Das Kastell und die Kirchen im Ort wurden über die Jahrhunderte erweitert, umgebaut und restauriert, hier dagegen hat niemand etwas wiederaufgebaut. Ringsum, entlang fast völlig verschwundener Pfade, stehen Mauerreste der anderen untergegangenen Viertel: Torricella, San Sebastiano, Via Nuova, San Nicola, Santa Elisabetta.
Nicht weit entfernt, über dem Zusammenfluss der beiden Bäche Pergola und Fiumicello, steht der Wachturm, den man in Brienza Trucedda nennt: Er bildet das Ende des Mauerrings, der den Hügel hinauf bis zum runden Turm des Kastells im Norden führt. Der niedrige Turm über dem Wasser und der runde Turm oben sind die beiden Enden ein und derselben Verteidigungsanlage.
Der Besuch
Man kommt von der Hangseite gegenüber dem bewohnten Ort und tritt durch die Portella ein, das noch sichtbare Tor im Mauerring des Kastells. Der Ort ist eine Ruine unter freiem Himmel: keine Aufsicht, keine Öffnungszeiten, und Wege, die größtenteils verschwunden sind. Festes Schuhwerk, Vorsicht nach Regen, und die Regel, zuerst den Grundriss der Kirche zu lesen und erst danach die Mauerstücke der Viertel, sonst sieht alles nach demselben Stein aus.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie vor dem Rückweg die Porta della Torricella, die Nebenpforte neben dem Wachtürmchen, das über dem Felssporn oberhalb des Fiumicello hängt: Sie führt in das Viertel San Michele dei Greci und lässt Sie in den Ort zurückkehren, ohne denselben Weg noch einmal zu gehen.
