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viadotto Carpineto

📍 Vietri di Potenza, Basilikata · 48/100

Der Baugrund hat den Entwurf bestimmt. An dem Hang, den die Zubringerautobahn Sicignano-Potenza queren musste, ließ der Untergrund keine Pfeiler zu, also überspannte Riccardo Morandi ihn mit einer einzigen Öffnung von 181 Metern zwischen den Pylonen. Der Carpineto-Viadukt, auch Carpineto I, ist zudem keine einzelne Brücke, sondern es sind zwei gleiche Schrägseilbrücken nebeneinander, je eine für jede Fahrbahn der RA 5, mit zwei Spuren pro Seite.

Sehenswertes

Die 29 Meter hohen Pylone fallen schon von weitem auf, und sie stehen schräg. Die Last wirkt nur auf einer Seite, der Zug gleicht sich also nicht über dem Pylon aus wie bei symmetrischen Schrägseilbrücken: die Pylone neigen sich nach außen und werden nach hinten verankert. Die Ankerblöcke sind etwa 16 Meter lang und bleiben im Erdreich, gehalten von waagerechten Betonriegeln von 12 Metern, die auf den Pylonfundamenten aufliegen. Das Bauwerk erklärt sich selbst: man liest es im Stehen, ohne Erläuterung.

Die beiden Brücken sind untereinander gleich und auf dieselbe Weise unsymmetrisch, sodass die Pylone paarweise stehen, ein Paar je Fahrbahn: an dieser Silhouette erkennt man den Carpineto, noch bevor man ihn erreicht. Als er gebaut wurde, widmete ihm die Fachzeitschrift L'Industria Italiana del Cemento zwei Aufsätze, 1977 und 1978, unter dem Namen viadotto Carpineto 1°.

Der Besuch

Es handelt sich um ein Bauwerk im Betrieb, nicht um einen Ort für Besucher: man fährt auf der RA 5 darüber, auf dem Gebiet von Vietri di Potenza, und die Überfahrt dauert wenige Sekunden. Am Steuer bemerkt man ihn nur an den Seilen, die am Fenster vorbeiziehen; die Form der Brücke sieht man allein von außen, vom Hang aus, den sie überspringt.

Tipp der Redaktion

Nehmen Sie ihn zusammen mit dem Platano-Viadukt, das an derselben Straße und in derselben Gemeinde liegt: es sind zwei entgegengesetzte Antworten auf dieselbe Aufgabe. Morandi hängt das Feld an Seile und leitet den Zug in den Boden; Zorzi und Procaccia stemmen am Platano stattdessen zwei Stiele gegen die Flanken der Schlucht. Sehen Sie beide auf derselben Fahrt, in dieser Reihenfolge, und Sie verstehen, warum die RA 5 eine kleine Anthologie des italienischen Ingenieurbaus jener Jahre ist.

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