⛪ Kirchen und Heiligtümer

Santuario del Santissimo Crocifisso

📍 Brienza, Basilikata · 47/100

Das Kruzifix bleibt nicht das ganze Jahr am selben Ort: Am ersten Maisonntag wird es auf Schultern hinauf auf die 1100 Meter des Monte Sacrato getragen und bleibt dort bis zum dritten Sonntag im September. Die Kapelle auf diesem Berg entstand 1238, nach einem Wunder in der Umgebung, errichtet von denselben Einwohnern, die im selben Jahr erlebten, wie Friedrich II. Brienza dem neuen Lehnsherrn Gentile da Preturo übergab. Die Verehrung wuchs so stark, dass um 1375 das "subpatronato del Crocifisso" entstand, eine Laienvereinigung zur Pflege und Verbreitung des Kults; 1814 erklärte der letzte Bischof von Marsico und Grumento den Berg für geweiht.

Sehenswertes

Die Kirche hat ein einziges Schiff über rechteckigem Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes. Gleich hinter der Tür lohnt der Blick nach oben: Die grüngraue Holzdecke trägt vergoldete Rautenleisten und in der Mitte eine weiße Taube. An den Seitenwänden stehen zwei Altäre, darüber je ein Gemälde: rechts die Schmerzensmutter von 1879, links Jesus im Garten Gethsemane von 1874. Ein mit Stuck verzierter Triumphbogen fasst die Apsis, deren Gewölbe ganzflächig mit der Himmelfahrt ausgemalt ist.

Das wichtigste Werk hängt jedoch über dem Hauptaltar: ein Fresko von 1733 mit der Pietà, so genau gemalt, dass die Striemen der Geißelung auf dem Körper Christi zu erkennen sind und jede Figur ihr eigenes Gesicht hat. In der Mitte das ergebene Antlitz der Muttergottes. Ein zweites Fresko, die Beweinung des toten Jesus, wurde 1773 von unbekannter Hand vollendet.

Der Besuch

Das Heiligtum liegt im Nationalpark Appennino Lucano Val d'Agri Lagonegrese, auf der Höhe über dem Melandro-Tal. Der Pilgerweg beginnt an der Kirche Santissima Annunziata und steigt rund fünf Kilometer steil an, markiert von den Säulchen des Kreuzwegs. Der erste dokumentierte Eingriff am Bau stammt von 1659, festgehalten in einer Inschrift auf dem Türsturz: vermutlich ein Dank für das Überstehen der Pest von 1656 oder des Erdbebens von 1646.

Tipp der Redaktion

Kommen Sie am dritten Sonntag im September, zum Abstieg. Nach dem feierlichen Hochamt wird der Christus im Ritus der "vestizione" auf ein purpurnes Tuch gebettet und hinunter zum Ort getragen; am Ortsrand trifft er auf die Prozession der Schmerzensmutter, und dieses Zusammentreffen heißt "affrontata". Auf dem Platz folgt der Flug des Engels: Ein Kind, an einer Rolle über ein Seil zwischen zwei gegenüberliegenden Häusern gehängt, wird siebenmal herabgelassen und zeigt jedes Mal eines der sieben Zeichen der Passion.

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