🌋 Natur und Aussichten

Tuppo dei sassi

📍 Filiano, Basilikata · 49/100

Der Name, den man in Filiano benutzt, Tuppo dei Sassi, geht auf einen Irrtum zurück: Der Abri liegt in Serra Pisconi und nicht am Tuppo. 1965 wurde er offiziell nach Professor Francesco Ranaldi benannt, dem Archäologen, der zwischen 1962 und 1964 seine wissenschaftliche Bedeutung nachwies. Die Hirten der Gegend kannten ihn längst; ein Einheimischer, Francesco Verrastro, drängte Ranaldi, sich die Wand anzusehen. Im September 1966 stand die Nachricht von den Felsbildern in den „London News“.

Sehenswertes

Der Abri ist ein halbes Sandsteingewölbe von rund 6 Metern Höhe, auf 800 Metern über dem Meer im anthropologischen Naturreservat I Pisconi. Die Figuren aus rotem Ocker drängen sich fast alle in einem Rechteck von 65 Zentimetern Höhe und 52 Zentimetern Breite, auf dem glattesten Stück Wand: Menschen, auf Kopf, Arme und Beine reduziert, und Vierbeiner im Profil, die Schnauze nach links. Einige tragen verzweigte Striche über dem Kopf, die man als Geweih liest; andere, denen sie fehlen, könnten Hunde sein. Gemalt wurde mit den Fingern, in einem schematischen Stil, der die Formen auf die nötigsten Linien zurücknimmt.

Worum es geht, ist bis heute strittig. Biancofiore sah 1965 eine Jagdszene, beherrscht von der großen Menschenfigur oben rechts; Ranaldi Männer, die Tiere an Stricken halten, unter dem Blick einer Gottheit; Borzatti und Inglis lasen 1990 einen Wald voller Hirsche, in zwei getrennten Malphasen entstanden; Affuso 2012 eine Muttergöttin; Arcà und Bozzarelli 2018 fünf Hirsche und eine vielfach gelappte Gestalt mit breitkrempigem Hut. Die Datierung bleibt beim Mesolithikum, für die Menschenfiguren wurde auch die Kupferzeit vorgeschlagen. Die Grabung von 1971, ein 4 Meter tiefer Schnitt, den herabgestürzte Blöcke stoppten, erbrachte rund 300 Geräte und Absplisse aus Feuerstein und keinen einzigen Knochen: Der saure Boden hat sie aufgelöst.

Der Besuch

Die Fundstelle liegt in der Contrada Carpini, am Ende eines Naturlehrpfads mit Stegen und Tafeln zu Pflanzen und Tieren des Reservats, und ist durch ein Tor verschlossen: Hinein kommt man nur nach Anmeldung, die Begleitung übernehmen die Gemeinde Filiano und die Protezione Civile. Das 1972 eingerichtete Reservat steht für Bildung und Forschung offen, nicht als freier Spazierweg.

Tipp der Redaktion

Gehen Sie zuerst in das multimediale Museum, das im August 2019 in der Contrada Carpini eröffnet wurde: Dort steht eine Nachbildung der bemalten Wand in Originalgröße. Wer sie gesehen hat, erkennt an der echten Wand auch die blassesten Motive, die sonst im Kalksinter untergehen.

Filiano entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.