Das älteste Viertel von Trecchina trägt keinen Heiligennamen: Es heißt Castello, nach dem Baronspalast, um den es gewachsen ist. Das Gebäude wurde 1530 von den Baronen Palmieri aus Latronico errichtet, und seine Ruinen liegen noch immer über den Dächern und beherrschen den alten Ortsteil. Eine Burg von Trecchina gab es allerdings schon vorher: Um 1500 schenkte der Lehnsherr Roberto Sanseverino, Fürst von Salerno, «la terra di Trecchiena» dem Grafen Michele Rizzo de Ricci aus Castellammare di Stabia, der sie nur kurz behielt — seine Familie hatte den Einzug der Franzosen in Neapel unterstützt und verlor darüber das Lehen.
Sehenswertes
Vom Baronspalast sieht man, was die Zeit übrig gelassen hat, doch das eigentliche Denkmal ist der Ort, der um ihn herum entstand: enge Gassen, aneinandergelehnte Häuser, ein mittelalterlicher Grundriss, der aus einem einfachen Grund lesbar geblieben ist. Als Trecchina im 19. Jahrhundert wuchs, baute es das Alte nicht um, sondern zog zum Bauen an eine andere Stelle.
Diese andere Stelle heißt Piano und ist das genaue Gegenteil von Castello: breite Straßen, ein geplantes Wegenetz und in der Mitte die Piazza del Popolo mit mehr als 1800 Quadratmetern. Der Vergleich der beiden Trecchina gelingt zu Fuß in wenigen Minuten. Im alten Ortskern, in der Via Castello, steht außerdem die Kirche San Giovanni Battista, die Pfarrkirche war, bis diese Rolle an San Michele Arcangelo überging, 1857 am neuen Platz erbaut und eine der größten Kirchen der Basilicata.
Der Besuch
Das Auto lässt man am besten im neueren Teil rund um die Piazza del Popolo stehen und geht zu Fuß hinauf: Nach Castello führen nur die Gassen, eng und steil. Die Ruinen sind kein erschlossenes Denkmal mit Kasse und Öffnungszeiten, sie sind die Kulisse des Viertels und werden beim Aufstieg von unten betrachtet. Als Ausgangspunkt eignet sich die Via Castello mit der alten Pfarrkirche; danach hält man sich immer bergauf.
Tipp der Redaktion
Hören Sie beim Aufstieg zu, wie die Alten miteinander reden: In Trecchina spricht man einen gallo-italischen Dialekt, im 11. und 12. Jahrhundert von ketzerischen Gruppen aus dem Piemont, vor allem aus dem Monferrato, hierhergebracht; bis in die siebziger Jahre war noch die zischende Endung der zweiten Person Singular zu hören. Das ist die älteste Spur des Ortes, und sie steckt nicht in den Steinen. Kaufen Sie danach unten das Pane di Trecchina, ein anerkanntes traditionelles Lebensmittel der Basilicata.
