Diese Gemeinde hat ihren Namen gewechselt, ihre Region gewechselt, und vor dem zwanzigsten Jahrhundert gab es sie überhaupt nicht: sie wurde 1907 aus einigen von der Gemeinde Talamello abgetrennten Ortsteilen gebildet. Bis 1941 hieß sie Mercatino Marecchia, weil sie ein Handels- und Messeort war — die großen Märkte hielt man im August — und weil sie genau das war: ein Markt ohne Mauern, ein offener Treffpunkt, dort gepflanzt, wo sich die Straßen nach San Leo, Talamello und Sant'Agata Feltria kreuzen. Dann nahm sie den Namen Novafeltria an, worin Feltria die Zugehörigkeit zum Montefeltro ausspricht. Und schließlich stimmten die Einwohner am siebzehnten und achtzehnten Dezember 2006 ab: von wenig über sechstausend Stimmberechtigten wählten mehr als viertausend, und zweiundachtzig Prozent entschieden sich, die Provinz Pesaro und Urbino in den Marken zu verlassen und zu jener von Rimini in der Emilia-Romagna zu wechseln. Der Übergang erfolgte am fünfzehnten August 2009, zusammen mit sechs weiteren Gemeinden des oberen Marecchia-Tals. Das Gemeindegebiet umfasst obendrein eine Exklave: die Ortsteile Secchiano und Uffogliano, eingeklemmt zwischen vier verschiedenen Gemeinden.
In Perticara, einem alten Bergbauort im Gemeindegebiet, gibt es ein Museum namens Sulphur, das die Jahrhunderte der Schwefelgewinnung dokumentiert, mit Funden von der Bronzezeit bis zu Umbrern, Etruskern und Römern. Die Eisenbahn, die den Ort von 1922 bis 1960 mit Rimini verband, wurde vor allem gebaut, um jenen Schwefel hinunterzuschaffen, der von Perticara über eine sechs Kilometer lange Seilbahn zum Bahnhof kam. Das Rathaus dagegen ist die prächtige Villa, die sich die Grafen Segni aus Bologna hier errichten ließen. Und die örtliche Mundart sagt auf ihre Weise dasselbe wie das Referendum: das Mercatinesische hat die nördliche Stimmhaftigkeit nur teilweise übernommen, sodass neben amiga, bug, fradël und röṡa auch chëpra, crócia, fuc, tajèt und vétri bleiben. Eine Sprache, die auf halbem Weg über die Grenze stehen geblieben ist.