Die Gemeinde besteht aus zwei Dörfern, Anoia Superiore und Anoia Inferiore, und der Name gehört dem oberen: nach Gerhard Rohlfs kommt er von einem griechischen Wort für einen hochgelegenen Ort. Sie war Baronie ab 1270, Markgrafschaft ab 1664 und Gemeinde ab 1811, als das alte Lehensgebiet in zwei Teile zerlegt wurde, Anoia und Maropati. Entschieden hat hier aber vor allem der Boden. Zwischen Februar und März 1783 zerstörte ein langes Erdbeben beide Dörfer, und die Register zählen die Toten genau: in Anoia Superiore und in Anoia Inferiore starb ungefähr jeder siebte Einwohner. Im Jahr 1791 riss ein neuer Stoß in einer Ecke der Kirche San Sebastiano einen Spalt auf, der bis zur Spitze des Glockenturms lief, der abgetragen werden musste. Die Dörfer waren nach 1783 wieder aufgebaut worden, und als das große Erdbeben vom achtundzwanzigsten Dezember 1908 kam, war die Bilanz von ganz anderer Art: in Anoia Superiore stürzten von siebenhunderteinundsiebzig Häusern zwei ein.
Am besten bewahrt hat diese Gemeinde jedoch den Bericht ihrer eigenen Modernisierung, aufgeschrieben wie eine Chronik. Das Postamt wurde 1883 eingerichtet; die Kanalisation wurde am Ende jenes Jahrhunderts verlegt; die Petroleumlaternen wichen elektrischen, und der Telegraf kam in den ersten Jahren des zwanzigsten; die ersten öffentlichen Schulen wurden in den dreißiger Jahren fertig, die Wasserleitung für die Häuser zu Beginn der fünfziger, die Mittelschulen in der Mitte jenes Jahrzehnts. Dann geht die Liste weiter, wo solche Listen sonst enden: das Gasnetz Anfang der neunziger Jahre, die ersten Internetverbindungen 1995, Breitband am Ende des Jahrzehnts und die Glasfaser 2015. Aus denselben Registern stammt eine andere Zahl, die sagt, wie eng das öffentliche Leben damals war: 1863 waren die in die politischen Wählerlisten eingetragenen Männer von Anoia vierundfünfzig.
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