1872 war das Tal unter dem Vesuv eine malariaverseuchte Ebene mit ein paar Bauern und ohne Ort: Die Ruinen des antiken Pompeji lagen dort, und ringsum war nichts. Dorthin kam ein apulischer Anwalt, Bartolo Longo, der sich als junger Mann im Spiritismus verloren und dann sein Leben geändert hatte, und begann, den Landarbeitern den Rosenkranz beizubringen. Er ließ sich ein Marienbild geben, für wenige Münzen bei einem Trödler in Neapel gekauft, in schlechtem Zustand, und brachte es auf einem Karren hierher. Um dieses Bild herum entstanden ein Heiligtum, eine Stadt und ein System von Waisenhäusern.
Sehenswertes
Die Kirche wurde mit oft winzigen Spenden von Zehntausenden gebaut und im zwanzigsten Jahrhundert auf ihre heutige Größe erweitert: Sie ist riesig, hell, mit Kuppel und Schmuck im Geschmack des neunzehnten Jahrhunderts, und auf dem Hochaltar hängt das mehrfach restaurierte Bild, das der Grund für alles ist. Die Frömmigkeit ist hier lebendig und sichtbar: Man betet laut, kommt mit dem Bus, kehrt jedes Jahr zurück.
Neben dem Heiligtum stehen die Häuser, die Longo für die Kinder von Gefangenen und für Waisen errichtete und die ihm am meisten am Herzen lagen. Der achtzig Meter hohe Glockenturm hat einen Aufzug und lässt sich besteigen. Bartolo Longo wurde 1980 seliggesprochen und 2025 zum Heiligen erklärt.
Der Besuch
Das Heiligtum liegt im Zentrum des modernen Pompei, fünf Minuten zu Fuß vom Ausgrabungseingang Porta Marina Superiore und vom Bahnhof der Circumvesuviana; Eintritt frei, täglich mit langen Zeiten geöffnet. Eine halbe Stunde, dazu der Aufstieg auf den Turm, der eigene Karte und Zeiten hat. An den großen Marienfesttagen im Mai und Oktober füllt sich der Platz.
Tipp der Redaktion
Steigen Sie auf den Glockenturm: Von dort sieht man von einem Punkt aus die Ruinen der römischen Stadt auf der einen Seite, den Vesuv auf der anderen und ringsum die Dächer der neuen Stadt. Es sind drei verschiedene Pompeji auf einen Blick, und zwischen ihrer Entstehung liegen zweitausend Jahre.
