Bevor Pompeji eine Ausgrabungsstätte war, war es acht Jahrhunderte lang eine lebendige Stadt, auf einer Platte aus Lavagestein fast dreißig Meter über der Ebene, nahe der Mündung des Sarno. Die Lage war kein Zufall: In der Gegend gab es keine Quellen, und der Fluss war zugleich Wasservorrat, Weg ins Landesinnere und Hafen. Griechen und Etrusker beherrschten die Stadt, ohne sie je mit Waffen zu nehmen, und ließen ihr eine gewisse Eigenständigkeit.
Sehenswertes
Von den Griechen blieb der Dorische Tempel, nicht im Zentrum errichtet, sondern abseits, in dem, was später das Dreiecksforum werden sollte: Sie interessierten sich für die Straßen und den Hafen, nicht dafür, sich hier niederzulassen. Die Etrusker, die gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. in die Ebene kamen, brachten das tuskische Atrium in die Häuser, den Apollontempel und einen ersten als Markt genutzten Platz. Doch die Stadt, durch die man heute geht, ist in ihrer Anlage vor allem samnitisch: Zwischen dem 3. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. erreichte Pompeji seinen endgültigen Umfang, mit den in Sarno-Stein verstärkten Mauern und einem Handel mit Wein und Öl, der bis in die Provence und nach Spanien reichte.
Der Besuch
In der Mauer zwischen Porta Ercolano und Porta Vesuvio sind noch die Spuren der schweren Steingeschosse zu sehen, mit denen das Heer Sullas die Stadt im Bundesgenossenkrieg beschoss. Die Pompejaner hatten sich gegen Rom gestellt, weil die Senatoren das Land ringsum unter sich aufteilten, während ihnen das römische Bürgerrecht verwehrt blieb; sie hielten lange stand und fielen erst 89 v. Chr., fast ohne Schäden. Kurz darauf, 80 v. Chr., wurde die Stadt Kolonie unter dem Namen Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum, doch das Latein löschte nichts aus: Oskisch und Griechisch wurden weiter gesprochen, wie die Graffiti zeigen, und etwa ein halbes Jahrhundert lang maß man weiter nach oskischem Maß. An den Hausfassaden blieben die gemalten Wahlaufrufe, mit den Namen der Viertel: Forenses, Campanienses, Salinienses.
Tipp der Redaktion
Der letzte Tag hat einen Stundenplan. Gegen ein Uhr kündigte ein Donnern an, dass der Pfropfen aus erstarrtem Magma nachgegeben hatte; in etwa fünf Stunden erreichte der Regen aus Asche und Lapilli einen Meter Höhe, und die ersten Dächer gaben nach. Um sechs Uhr am nächsten Morgen erreichte ein pyroklastischer Strom die Mauern, ein weiterer um sieben, ein weiterer wenige Minuten später, der letzte und heftigste um acht: Wer überlebt hatte, starb dann. Von den etwa 1150 geborgenen Opfern lagen 394 in den unteren Lapillischichten, von eingestürzten Dächern erschlagen, und rund 650 weiter oben, im Freien, von den Glutwolken erfasst. Die meisten Pompejaner aber waren schon geflohen. Wer zur Porta Ercolano lief, schaffte es nicht; wer durch die Porta Stabia hinausging, hatte eine Chance mehr, nur war die See von den Erdstößen aufgewühlt und die Boote waren fast alle zerstört.
