Am 20. August 1854 versammelten sich die Bewohner von Procida im Morgengrauen in der Kirche San Leonardo, um das Ende einer verheerenden Cholera-Epidemie zu erflehen: Die Ansteckung hörte auf, und die tiefe Verehrung des Heiligen führte zu einer gewaltigen Erweiterung des Baus in der Via Vittorio Emanuele 47. Der Kult geht auf der Insel bis ins 16. Jahrhundert zurück und ist mit den Benediktinermönchen verbunden sowie mit dem Sammeln von Geld, um procidanische Seeleute freizukaufen, die nordafrikanische Piraten verschleppt hatten.
Sehenswertes
Das Gebäude liegt über dem Straßenniveau und wird über eine Freitreppe erreicht. Die Fassade von 1886 zeigt korinthische Pilaster unter einem Dreiecksgiebel; daneben steht der achteckige Glockenturm aus Sichttuff, der 1889 über der Sakristei errichtet wurde. Das Innere, zum lateinischen Kreuz umgebaut, überspannen ein Tonnengewölbe und eine neugotische Kuppel mit Stuck und Vergoldungen. Auf dem Hochaltar aus Carrara-Marmor, den Don Antonio Massa 1882 schuf, ragt die Holzstatue des heiligen Leonhard auf: Daneben stehen ein Segelschiff, ein Turm, ein Knabe mit zerbrochenen Ketten und die silberne Votivkette mit der eingeprägten Jahreszahl 1850, Zeugnis des letzten Freikaufs eines procidanischen Sklaven. Die zentrale Apsis flankieren die Kapellen des Herzens Jesu und des Herzens Mariä. Im Inneren haben sich außerdem ein Taufbecken aus Marmor aus dem 16. Jahrhundert, eine Kanzel aus buntem Marmor und die um 1940 errichtete Kapelle der Madonna del Rosario erhalten. Unter den Skulpturen in den Nischen fallen der heilige Alfons Maria von Liguori auf, der heilige Kyros mit der Statue des heiligen Tarcisius darunter, die heilige Rita, die heilige Maria Franziska von den fünf Wunden, der heilige Judas Thaddäus mit den Reliquien des heiligen Theodor, die Schmerzensmutter im goldbestickten Gewand des 18. Jahrhunderts, der heilige Joachim mit der Maria als Kind und die Halbbüste des Ecce Homo.
Der Besuch
1925 wurde die Kirche zur Pfarrei erhoben, seit 1966 ist sie Sitz der Bruderschaft der Addolorata, deren Mitglieder wegen der Farbe ihres Umhangs „die Roten“ heißen. Jedes Jahr um den 20. August feiert das Viertel mit Riten und Festlichkeiten das Wunder vom Ende der Epidemie von 1854.
Tipp der Redaktion
Schau dir den Griff der silbernen Kette an, die neben der Statue des heiligen Leonhard liegt: Die Jahreszahl 1850 und der eingravierte Name sind ein echtes historisches Dokument der letzten Befreiung eines Seemanns der Insel aus der Gefangenschaft.
