Zwischen 230 und 240 n. Chr. entstand an der Stelle eines heidnischen Tempels die erste Kirche der Madonna del Carmine. Die Überlieferung siedelt hier das Martyrium der Christen Marco, Quartilla, Quintino, Quintilla und neun weiterer Bürger von Sorrent an, die nach den Gesetzen Diokletians hingerichtet wurden. Im 16. Jahrhundert übergab Bischof Lelio Brancaccio den Bau den Karmelitern aus Neapel; der erste Prior Bartolomeo Pasca ließ ihn 1572 mit dem Erbe seiner Mutter und den Spenden der Gläubigen neu errichten und fügte ein Kloster an. Nach dem barocken Umbau im 18. Jahrhundert, der Vertreibung der Mönche in napoleonischer Zeit und dem Übergang des Besitzes an die Gemeinde Sorrent im Jahr 1816 rückte die Kirche 1866 mitten ins Stadtzentrum, als man das Vallone dei Mulini für den neuen Platz auffüllte. 1936 kehrte sie an die Karmeliter zurück.
Sehenswertes
Die barocke Fassade gliedert sich in drei Ebenen, die durch Gebälke getrennt und mit Stuck und Lisenen verziert sind. Im unteren Mittelbogen haben sich Spuren römischer Säulen erhalten, die bei den Restaurierungen zum Vorschein kamen; vom Narthex führen zwei viereckige Portale aus Piperno ins Vestibül, die einzigen Reste des Vorgängerbaus. Das einschiffige Innere trägt an der Decke ein Gemälde von 1710, signiert von Onofrio Avellino: Es zeigt die Jungfrau, wie sie dem heiligen Simon das Skapulier überreicht, umgeben von Engeln und Karmeliterheiligen. Auf der Empore über dem Vestibül fällt die Orgel von 1975 mit über siebenhundert Elementen ins Auge. An der rechten Seite reihen sich zwei Stucknischen, die Grabinschriften der Wohltäter Nicola Falangola und Patrizio Sorrentino sowie zwei Kapellen mit Gemälden des 18. Jahrhunderts: die Seligsprechung der heiligen Teresa von Ávila, die Madonna, die heilige Maria Magdalena und der heilige Andrea Corsini. An der linken Wand findest du ein Reliquiar aus dem 17. Jahrhundert und die Kapelle mit den Bildern der Madonna zu Füßen des Kreuzes mit dem heiligen Angelus und des heiligen Franz von Paola. Der Hochaltar bewahrt die Tafel der Madonna Bruna, im 16. Jahrhundert auf zwei Pappelbrettern gemalt und Silvestro Bruno zugeschrieben, 1880 und 1980 gekrönt; daneben hängen zwei Gemälde von 1758 von Giovanni Cingeri mit der Anbetung der Könige und der Anbetung der Hirten, dazu vier kleine Bilder aus dem Leben der Jungfrau und die im 16. Jahrhundert gemeißelte Marmorplatte über dem Grab von Bartolomeo Pasca. Links vom Altar liegt die Kapelle der Märtyrer von Sorrent mit einem Gemälde ihres Martyriums aus dem 17. Jahrhundert.
Der Besuch
Ins Kirchenschiff gelangst du über das Vestibül, in dem zwei Weihwasserbecken mit dem Wappen der Familie Falangola stehen. Drinnen kannst du die Seitenkapellen erkunden, dazu den Apsisbereich mit der Tafel der Madonna Bruna und die Kapelle der örtlichen Märtyrer. Außen beherrscht der Glockenturm die Anlage.
Tipp der Redaktion
Bevor du ins Kirchenschiff gehst, halte im Narthex kurz inne: Die beiden kantigen Portale aus Piperno und die Reste der römischen Säulen im Fassadenbogen zeigen, wie sich der Ort baulich geschichtet hat, lange bevor der Barock ihn überformte.
