Um 600 v. Chr. von Siedlern aus Sybaris unter dem Namen Poseidonia gegründet, von den Lukanern als Paistom übernommen und 273 v. Chr. als Paestum zur latinischen Kolonie gemacht, hatte diese Stadt drei Namen und ein einziges Ende: das Wasser. Keine Flut und auch kein Ausbruch, sondern eine langsame Versumpfung, die sie über Jahrhunderte auffraß, bis sie ganz verlassen wurde.
Sehenswertes
Über die Tempel hinaus gibt es die Stadt, und die Stadt erzählt den Kampf. Der Geograph Strabon schreibt, Paestum sei durch einen nahen Fluss ungesund geworden, den Salso, heute Capodifiume, der noch immer dicht an der Südmauer entlangläuft und an der Porta Giustizia von einer kleinen Brücke aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. überspannt wird. Als seine Mündung versandete, floss das Wasser nicht mehr ab, und die Bewohner hoben das Straßenniveau an, legten die Türschwellen höher, bauten die Kanäle auf immer höheren Ebenen neu. Jene erhöhten Schwellen sind noch zu sehen, und sie sind die Chronik eines verlorenen Krieges.
Der Besuch
Unter dem Gehniveau, zwischen der Basilika und dem Neptuntempel, verläuft ein etwa fünfzig Meter langer Gang, vor dem neunzehnten Jahrhundert bekannt und dann vergessen, 2020 erneut erkundet. Man stieg über ein Treppenhaus hinab, und er enthielt vier Brunnen, die das von den Dächern der beiden größten Gebäude der Stadt geleitete Regenwasser sammelten; er diente auch rituellen Waschungen. Er war die Antwort auf das Problem, das Paestum seit jeher plagte, denn die Quellen nahe am Meer gaben brackiges Wasser und das des Capodifiume war kaum trinkbar: dasselbe Wasser, das nach Strabon, so kalkreich war es, binnen kurzem alles versteinerte.
Tipp der Redaktion
Jener Kalk bedeckte am Ende alles und überzeugte die Gelehrten jahrhundertelang, von der antiken Stadt sei außer den Tempeln nichts geblieben: Ernsthaft gegraben wurde erst, als man die Bank als junge Bildung erkannte. Inzwischen hatte sich die Siedlung auf den höchsten Punkt zurückgezogen, um den Tempel der Athena, der zur Kirche wurde; dann, zwischen dem 8. und dem 9. Jahrhundert, zogen die Bewohner in die Berge, zu den Quellen des Salso, Caput Aquae, woher Capaccio kommt, um der Malaria und den Sarazeneneinfällen zu entgehen. Sie nahmen den Granatapfel mit, eines der Sinnbilder der Hera von Poseidonia, und er ging an die Madonna über, die noch heute Madonna del Granato heißt. In der Ebene blieben die Büffel, die einzigen Tiere, welche die Malaria aushielten.
