Auf dem Deckel eines Steingrabs springt ein nackter Mann von einer Plattform ins Wasser. Er ist mit wenigen Linien gemalt, in einem schwebenden Augenblick, und er hat keine Parallelen: Von der ganzen griechischen Malerei der klassischen Zeit ist fast nichts geblieben, und diese Platte, 1968 in einer Nekropole vor Paestum gefunden, ist eines der ganz wenigen Zeugnisse, die wir haben.
Sehenswertes
Das Grab besteht aus fünf al fresco bemalten Platten. An den vier Wänden ist ein Gastmahl: Männer auf Liegen, die trinken, die Leier spielen, einander ansehen und reden, dazu Knaben, die den Wein reichen. Auf dem Deckel ist der Springer, allein, und der Sprung wurde stets als Bild des Übergangs vom Leben zum Tod gelesen, auch wenn niemand es sicher sagen kann.
Die Malereien stammen aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, aus der Zeit, als Paestum die griechische Stadt Poseidonia war. Es beeindruckt die Einfachheit: wenige Farben, knappe Zeichnung, kein überflüssiger Schmuck. In einem Saal des Museums sind die Platten zum Grab zusammengesetzt, wie es war, und man geht darum herum.
Der Besuch
Das Grab ist im Archäologischen Museum von Paestum, innerhalb des Grabungsareals; die Karte gilt zusammen mit den Tempeln. Eine Stunde für das Museum, ein halber Tag mit dem ganzen Gelände.
Tipp der Redaktion
Sehen Sie zuerst die Wände mit dem Gastmahl an und erst zuletzt den Deckel: Die Symposionszenen sind voller Gesten, Gespräche und Blicke, der Springer dagegen ist allein, mitten in der Leere, ohne jemanden. Dieser Gegensatz macht das Grab zu etwas, an das man sich jahrelang erinnert.
