Wenige Bauwerke fassen Rom so zusammen wie die Engelsburg. Sie entsteht 135 n. Chr. als Mausoleum des Kaisers Hadrian, dem Architekten Demetrianus anvertraut und 139 von Antoninus Pius vollendet, mit einer eigens dafür gebauten Brücke, dem Pons Aelius. In der Kammer im Zentrum des Tumulus ruhten die Aschen der Kaiser von Hadrian bis Caracalla, die letzte beigesetzt im Jahr 217.
Im Jahr 403 bezog Kaiser Honorius den Bau in die Aurelianische Mauer ein, und aus dem Grabmal wurde eine Festung. Der Name geht auf eine Legende zurück: 590, als die Pest in Rom wütete, sah Papst Gregor der Große auf der Spitze den Erzengel Michael sein Schwert in die Scheide stecken — das Zeichen für das nahe Ende der Seuche.
Sehenswertes
Vom Eingang aus steigt man über die römische Wendelrampe aus Ziegelmauerwerk hinauf, einst mit Marmor verkleidet und von Lichtschächten erhellt, die zur Grabkammer führte. In den oberen Geschossen liegen die päpstlichen Räume, etwa das Appartement, das Paul III. einrichten ließ, damit ein belagerter Papst eine angemessene Unterkunft hatte, und die von Leo X. gewollte Kapelle mit einer Madonna von Raffaello da Montelupo. Ganz oben hat der 1753 von Peter Anton von Verschaffelt gegossene Bronzeengel den Marmor-Michael ersetzt, den Montelupo 1536 gemeißelt hatte und der heute in einem Innenhof zu sehen ist: Die Burg hat also zwei Engel. Von hier führt auch der Passetto ab, der befestigte Gang zum Vatikan, den Papst Nikolaus III. anlegen ließ.
Der Besuch
Bis 1901 diente die Burg als Kerker der Päpste: Eingesperrt waren hier Benvenuto Cellini, Cagliostro und Giordano Bruno, der sechs Jahre hier verbrachte, und die Hinrichtungen fanden im kleinen Innenhof statt. Clemens VII. flüchtete sich beim Sacco di Roma 1527 hierher, während Cellini erzählt, er habe von den Wehrgängen aus auf die Belagerer geschossen. Seit der Aufgabe als Festung 1901 beherbergt sie das Museo Nazionale di Castel Sant'Angelo, mit 966.623 Besuchern im Jahr 2022 eines der meistbesuchten Museen Italiens.
Tipp der Redaktion
Komm zu Fuß über die Ponte Sant'Angelo, die antike Pons-Aelius-Brücke: Die Achse zwischen der Brücke, heute bevölkert von barocken Engeln mit den Leidenswerkzeugen Christi, und dem zylindrischen Koloss ist dieselbe, die man vor fast zweitausend Jahren für Hadrians Mausoleum gedacht hatte. Und für alle, die Oper lieben: Der dritte Akt von Puccinis Tosca (1900) spielt genau hier, und von den Wehrgängen der Burg stürzt sich die Titelheldin am Ende hinab.
