Hadrian ließ sie bauen, um sein eigenes Mausoleum zu erreichen, doch die Geschichte dieser Brücke ist die Geschichte eines Trichters. Jahrhundertelang musste jeder, der nach Sankt Peter wollte, hier hinüber, und das Gedränge war so groß, dass der Verkehr geregelt werden musste. Der Stadtteil am linken Ufer heißt genau deshalb Ponte: die Brücke war das Einzige, worauf es ankam.
Sehenswertes
Klemens IX. ließ die Brüstung nach Berninis Entwurf erneuern und stellte darauf zehn Engel, jeden mit einem Werkzeug der Passion: die Säule, die Geißeln, die Dornenkrone, das Schweißtuch, das Gewand und die Würfel, die Nägel, das Kreuz, die Schriftrolle, den Schwamm, die Lanze. Berninis Schüler meißelten sie unter seiner Leitung, und jeder trägt einen eingehauenen lateinischen Satz. Zwei jedoch schuf Bernini selbst zusammen mit seinem Sohn Paolo, den Engel mit der Dornenkrone und den mit der Schriftrolle: sie wurden nie aufgestellt und landeten in der Kirche Sant'Andrea delle Fratte. Die, zwischen denen man hindurchgeht, sind Kopien, eine von Paolo Naldini und eine von Bernini selbst mit Hilfe von Giulio Cartari ausgeführt. Am Zugang stehen dagegen der heilige Petrus und der heilige Paulus, von Klemens VII. dorthin gesetzt.
Der Besuch
Im Jahr 1450, einem Jubeljahr, gaben die Balustraden dem Druck der Pilger nach, und 172 Menschen starben. Nach dem Unglück riss man einige Häuser am Brückenkopf ab, damit die Menge irgendwohin abfließen konnte: der leere Raum, den man beim Ankommen überquert, ist die Folge jenes Tages. Es entstanden auch zwei runde Kapellen, später aus Verteidigungsgründen abgerissen. Und es gibt eine schlimmere Seite: auf dem Platz am linken Ufer wurden Todesurteile vollstreckt, und die Leichname der Hingerichteten stellte man auf der Brücke zur Warnung der Bevölkerung aus.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie hinüber und denken Sie daran, wie man früher hinüberging. Dante Alighieri nahm höchstwahrscheinlich am Jubeljahr 1300 teil, sah die Menge und beschrieb sie im achtzehnten Gesang des Inferno: die einen, schreibt er, hätten das Gesicht zur Burg gewandt und gingen nach Sankt Peter, die anderen am gegenüberliegenden Rand gingen zum Berg hin. Es war eine Einbahnregelung. Wer nach Sankt Peter wollte, ging auf der einen Seite mit dem Gesicht zur Burg, wer zurückkam, auf der anderen mit Blick auf den Monte Giordano. Die älteste Verkehrsregel Roms ist in der Göttlichen Komödie gelandet.
