Einige Jahrzehnte lang verbrachten Grund- und Mittelschüler aus Mailand ihre Ferien in einer nachgebauten Burg über dem ligurischen Meer. Die Villa Tigellius steht in Mulinetti, einem Ortsteil von Recco, und wurde 1898 nach dem Entwurf des genuesischen Architekten Marco Aurelio Crotta für die Familie Peirano errichtet. In den sechziger Jahren schenkte der damalige Eigentümer, der vermögende Mailänder Giovanni Battista Massone, das Anwesen der Stadt Mailand, die daraus ein Ferienheim für Mailänder Schulkinder machte. 2011 setzte die Stadtverwaltung unter Giuliano Pisapia das Grundstück zum Verkauf. Heute steht das Gebäude leer.
Sehenswertes
Die Architektur ist eklektisch, mit starken Anleihen bei der Neugotik, und ahmt offen eine Burg nach. Der Bau erstreckt sich über vier Geschosse, an den Hauptkörper ist ein Turm gestellt; die Fenster sind zweibogig und die Zinnen haben Schwalbenschwanzform, das ghibellinische Vorbild, das man in Italien im 19. Jahrhundert gern zitierte. Das ist Architektur des ausgehenden Jahrhunderts, die Mittelalter spielt und es offen zugibt.
Das Umfeld zählt so viel wie das Gebäude. Die Villa liegt in Aussichtslage über dem Meer und verfügt über einen großen Garten mit seltenen Pflanzenarten, auch deshalb konnte aus einem Privatsitz ohne größere Eingriffe ein Ferienlager für Kinder werden: Freiflächen, Grün und Meereshorizont.
Der Besuch
Mulinetti ist ein Küstenortsteil von Recco an der Riviera di Levante und wird von Recco aus entlang der Küstenlinie erreicht. Sagen wir es gleich: Die Villa ist ungenutzt und nicht zu besichtigen, das hier ist also eine Station zum Anschauen, nicht zum Betreten. Die Aussichtslage kommt den Vorbeikommenden entgegen, denn die Silhouette mit Turm und Zinnen liest sich auch aus der Ferne gut, vom Wasser aus noch besser.
Tipp der Redaktion
Wir verbinden sie mit einem Halt in Recco, das schon wegen seiner Küche die Fahrt lohnt, und schauen sie uns am Nachmittag an, wenn die Sonne nach Westen dreht und die Meerseite aus dem Schatten tritt. Wer mit dem Boot an der Küste entlangfährt, sollte das Ufer im Blick behalten: Von dort löst sich die falsche Burg vom Grün und zeigt, was sie ist, eine Laune des späten 19. Jahrhunderts mit einer Aussicht, die seit Jahren niemand mehr zu nutzen wusste.
