🏛️ Plätze und Altstädte

viadotto Torrente Sori

📍 Sori, Ligurien · 46/100

Wer auf der A12 zwischen Genua und Rapallo unterwegs ist, überquert das Tal des Wildbachs Sori in wenigen Sekunden, ohne zu merken, dass er 105 Meter über der Talsohle fährt. Der Viadukt, der diese Fahrbahn trägt, ist ein Stück italienischer Ingenieurgeschichte: beauftragt von der Società Autostrade, entworfen von den Ingenieuren Silvano Zorzi und Sergio Tolaccia, gebaut von der Firma Mondelli. Hier kam das Dywidag-Verfahren mit freitragendem Kragarmvorbau zum ersten Mal in Italien zum Einsatz; der Autobahnabschnitt wurde am 18. Dezember 1966 für den Verkehr freigegeben.

Sehenswertes

Der Viadukt ist 393 Meter lang und hat sechs Felder unterschiedlicher Spannweite: die beiden größten messen 100 Meter, daneben zwei von 65 Metern und auf der Seite von Genua drei Zufahrtsfelder von 35 Metern. Alles in Stahlbeton. Die Fahrbahnplatte ist für beide Richtungsfahrbahnen durchgehend und 19,10 Meter breit.

Die drei Hauptpfeiler sind 6 Meter breit und 14,55 Meter tief. Von jedem gehen zwei Kragarme von 35 Metern aus, einer je Seite, im freitragenden Verfahren betoniert, das ohne Gerüst auf dem Boden auskommt: eine entscheidende Wahl, wenn die Talsohle mit Häusern belegt ist oder die Höhe so ausfällt wie hier. Zwei benachbarte Kragarme werden dann durch einen 30 Meter langen Fertigträger verbunden, und auch die Träger der Zufahrtsfelder sind vorgefertigt.

Der Besuch

Das ist kein Denkmal zum Besichtigen: es ist ein Bauwerk im Betrieb, und von der Autobahn aus sieht man nichts davon. Wer ihn wirklich ansehen will, muss darunter stehen und vom Ort aus das Tal des Sori landeinwärts hinaufgehen, den Straßen zu den höher gelegenen Ortsteilen folgend. Von dort werden die Masse der Pfeiler und die Folge der Kragarme lesbar, und man versteht, wofür dieses Bauverfahren gedacht war: für enge, bereits bebaute Talböden.

Tipp der Redaktion

Wer vergleichen mag, findet den Zwilling wenige Kilometer entfernt: der Viadukt von Nervi hat dieselben Abmessungen und dasselbe Bauverfahren und unterscheidet sich nur in der Gesamtlänge, weil er zwei statt drei Zufahrtsfelder besitzt. Zusammen mit den Viadukten Veilino und Bisagno bilden sie das Dywidag-Quartett des Abschnitts Genua-Rapallo. Zwei davon an einem Vormittag anzusehen ist der schnellste Weg, um zu begreifen, wie sehr diese Technik das Überqueren ligurischer Täler verändert hat.

Sori entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.