⛪ Kirchen und Heiligtümer

santuario di Nostra Signora delle Grazie

📍 Sori, Ligurien · 47/100

Das hier verehrte Bild kam im Laderaum eines Schiffes nach Sori. Es ist eine Schwarze Madonna mit dem Kind, Öl auf Holz und vermutlich byzantinischer Herkunft, im Orient von dem aus Sori stammenden Seefahrer Gerolamo Stagno auf einer seiner Reisen gekauft. Um es aufzubewahren, entstand 1509 eine erste Kapelle an der heutigen via Sauli. Die Verehrung wuchs schnell, und zwar wegen zweier Begebenheiten, die der Ort seit Jahrhunderten weitererzählt: vor der Tafel soll die von Geburt an taubstumme Tochter des Seefahrers Sprache und Gehör erlangt haben; und 1584, nach einem Piratenüberfall, der das Dorf ausraubte, wurde das mit der übrigen Beute fortgeschaffte Bild am Strand von Sori wiedergefunden.

Sehenswertes

Der Bau ist nicht mehr der von 1509. Zur ersten Jahrhundertfeier der Gründung errichteten örtliche Handwerker die Kapelle zwischen 1608 und 1610 neu; zwei Jahrhunderte später, 1824, griff eine erhaltende Restaurierung ein, ohne den Grundriss zu verändern. Was man heute betritt, ist eine einschiffige Saalkirche mit flachem Chorabschluss: kein Querhaus, keine Seitenschiffe, ein einziger länglicher Raum zum Altar hin.

Die Seitenkapellen springen nicht nach außen vor, wie es in anspruchsvolleren Kirchen der Fall ist, sondern sind in die Mauerstärke eingeschnitten: der Grundriss bleibt kompakt, der Umriss einfach. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Marientafel, der Grund, aus dem die Kapelle gebaut und später neu gebaut wurde.

Der Besuch

Das Heiligtum liegt an der via Sauli, mitten im bebauten Ortskern von Sori, an der Ostseite des Golfo Paradiso: Man kommt über die via Aurelia oder mit der Küstenbahn zwischen Genua und dem Tigullio, den Rest zu Fuß. Die Zeiten sind keine Museumszeiten: geöffnet wird zu den Gottesdiensten und nach Verfügbarkeit der Pfarrei, man fragt also besser vorher nach. Im Inneren erwartet niemanden üppiger Schmuck, es ist eine Dorfkirche und bleibt es auch.

Tipp der Redaktion

Schauen Sie sich zuerst die Tafel aus der Nähe an: der dunkle Grund und die frontale Anlage des Gesichts verweisen auf eine Malerei östlicher Tradition, fern der ligurischen Art jener Jahre. Gehen Sie danach hinunter zum Ufer, wo die Überlieferung den Fund nach dem Überfall ansiedelt: vom Heiligtum bis ans Wasser sind es wenige Minuten zu Fuß, und von dort wird die Geschichte verständlicher.

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