Lange Zeit hielt hinter den Mauern der Burg von Riomaggiore niemand Wache: Hier wurden Tote bestattet. Unter der französischen Herrschaft Napoleon Bonapartes und dann unter der Ligurischen Republik füllte man das Innere der Festung mit Erde auf und richtete dort einen Friedhof ein, das merkwürdigste Kapitel eines Bauwerks, das für ganz anderes gedacht war. Historische Quellen nennen einen ersten Wehrbau, den die Markgrafen Turcotti 1260 errichteten, Herren des Dorfes Ripalta bei Borghetto di Vara, auf den Ruinen einer älteren Anlage namens «castellazzo» beim Hügel von Cerricò. Nach der Herrschaft des Grafen Nicolò Fieschi entstand die Burg an anderer Stelle neu und wurde zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert von der Republik Genua fertiggestellt.
Sehenswertes
Der Grundriss ist viereckig, mit zwei mächtigen, gedrungenen Rundtürmen: keine Residenz zum Vorzeigen, sondern ein militärischer Bering, der das Meer und die beiden Täler im Blick behalten sollte. Er steht auf dem Hügel zwischen dem Tal des Rio Maggiore und dem des Rio Finale, im oberen Teil der Altstadt, über den bunten Turmhäusern, die zum kleinen Hafen hinunterfallen.
Vom Gebrauch im 19. Jahrhundert zeugt vor allem die Höhe des Innenhofs, angehoben, als der Raum für den Begräbnisplatz aufgeschüttet wurde. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde die gesamte Anlage saniert und der Platz samt den überdachten Räumen der Gemeinde zurückgegeben: Heute finden hier Tagungen, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen der Stadtverwaltung statt.
Der Besuch
Man kommt zu Fuß aus dem Ortskern hinauf, über die Treppen, die von der Hauptstraße abzweigen: wenige Minuten steile Stufen, eine Fahrstraße gibt es nicht. Da es sich um ein kommunales Kulturzentrum handelt und nicht um ein Museum, richten sich die Öffnungszeiten nach dem Veranstaltungskalender; man fragt am besten im Ort oder im Infobüro des Nationalparks nach, bevor man aufsteigt. Von außen bleiben Mauerring und Türme gut lesbar, und die Terrasse ist ein natürlicher Aussichtspunkt über die Häuser.
Tipp der Redaktion
Wir steigen am späten Nachmittag hinauf, wenn die Züge die meisten Besucher schon wieder hinuntergebracht haben: Von der Burg sieht man den Ort tief im Einschnitt liegen und das Meer die Farbe wechseln. Und wir nehmen uns Zeit, anschließend durch die carruggi unterhalb der Mauern zurückzugehen, wo sich die ältesten Häuser noch an den Fels lehnen.
