Am 3. Dezember 1769 wurde das Teatro Scientifico in Mantua mit der Kantate Virgilio e Manto von Luigi Gatti eingeweiht. Zwei Jahre zuvor von Graf Carlo Ottavio di Colloredo, dem Rektor der Accademia dei Timidi, in Auftrag gegeben, wurde der Bau vom Architekten und Bühnenbildner Antonio Galli da Bibbiena an jener Stelle entworfen, an der ursprünglich der Palast von Ferrante I. Gonzaga stand, dem kaiserlichen Feldherrn und Vizekönig von Sizilien. Für wissenschaftliche Versammlungen und Aufführungen im Zeitalter der Aufklärung geschaffen, entstand das Theater dort, wo bereits die 1562 von Cesare Gonzaga gegründete Accademia degli Invaghiti über einen ersten überdachten Saal verfügte.
Sehenswertes
Das Innere zeichnet sich durch den glockenförmigen Grundriss und die vier Ränge hölzerner Logen aus, die Bibiena selbst mit einfarbigen Darstellungen ausschmückte. Die feste Bühne wird von einer Galerie mit zwei Rängen von Serliana-Motiven begrenzt – Bögen, die von Säulenpaaren getragen werden –, hinter denen zwei übereinanderliegende Gänge verlaufen. Die bemalte Decke zeigt ein vorgetäuschtes Maßwerk, umrahmt von einer Balustrade in Trompe-l'œil. Zwischen den Logenbauten öffnen sich vier Nischen mit lebensgroßen Statuen berühmter Mantuaner Persönlichkeiten: des Ingenieurs Gabriele Bertazzolo, des Philosophen Pietro Pomponazzi, des Autors Baldassarre Castiglione und des Dichters Vergil. In deutlichem Gegensatz zur barocken Anlage des Saals zeigt das Äußere eine schlichte klassizistische Fassade, 1770 von Giuseppe Piermarini entworfen und zwischen 1773 und 1773-1775 vom Architekten Paolo Pozzo ausgeführt, im Zuge der von Kaiserin Maria Theresia gewünschten Neuordnung der Akademie.
Der Besuch
Im Palazzo Accademico gelegen, verfügt das Teatro Bibiena über ein Fassungsvermögen zwischen 338 und 363 Plätzen, mit einer Bühne von 12,3 Metern Breite und 5,6 Metern Tiefe. Neben seiner Funktion als besichtigungsoffener Museumsraum beherbergt der Saal weiterhin kulturelle Veranstaltungen und ist Sitz der Accademia Nazionale Virgiliana di Scienze Lettere e Arti.
Tipp der Redaktion
Am 16. Januar 1770, wenige Wochen nach der Einweihung, trat hier ein noch nicht vierzehnjähriger Wolfgang Amadeus Mozart in einem Klavierkonzert auf. Das Archiv der Accademia Virgiliana bewahrt noch heute das Originalprogramm des Abends, dessen außergewöhnliche Akustik und Schönheit Leopold Mozart dazu brachten, den Saal als das schönste Theater seiner Art zu bezeichnen, das er je gesehen habe.
