Sie steht neben dem Herzogspalast, und darum fällt es schwer, sie anzusehen: Wer nach Urbino kommt, kommt wegen Federico da Montefeltro und wegen Raffael und durchquert den Dom zerstreut. Dabei war es Federico selbst, der ihn in den achtziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts neu bauen ließ, nach einem Entwurf, der Francesco di Giorgio Martini, seinem Architekten, zugeschrieben wird: eine nüchterne Basilika mit drei Schiffen auf weißen Pfeilern, ohne Schmuck, wie er es mochte. Von jener Kirche ist fast nichts geblieben: Das Erdbeben von 1781 ruinierte die Fassade, das von 1789 ließ die Kuppel einstürzen, und der Wiederaufbau wurde Camillo Morigia und Giuseppe Valadier anvertraut, dem größten klassizistischen Architekten Roms, der ihn 1801 vollendete.
Sehenswertes
Die Fassade aus Furlo-Stein mit ihren fünf Statuen, den drei theologischen Tugenden am Giebel und dem heiligen Augustinus und dem heiligen Johannes Chrysostomus an den Schrägen; am Fries die Inschrift, die der Universität von Urbino dafür dankt, dass sie das Dach bezahlt hat, etwas, das man selten auf einer Kathedrale liest. Die Freitreppe mit Balustrade von 1859, links der Stadtpatron Crescentinus und rechts der selige Mainardo: Dort sitzen die Studenten in der Sonne.
Innen der Valadier: drei weiße Schiffe mit Tonnengewölben, die Kassettenkuppel über der Vierung, die Stuckarbeiten und Engel von Antonio Trentanove und Francesco Antonio Rondelli und ein kaltes, geordnetes Licht, das das Gegenteil des Barock ist. In den Kapellen die Übertragung des Heiligen Hauses von Claudio Ridolfi und Leinwände des siebzehnten Jahrhunderts; und darunter, im Albani-Museum in der Sakristei, die aus der alten Kirche geretteten Stücke und der Schatz. Die Kirche wurde 2020 nach vier Jahren Arbeit wiedereröffnet, um die Schäden des Erdbebens von 2016 zu beheben: Hier sind Erdbeben eine Konstante.
Der Besuch
Der Dom liegt an der Piazza Duca Federico neben dem Herzogspalast und der Nationalgalerie der Marken; Eintritt frei zu Kirchenzeiten mit Mittagsschließung, das Albani-Museum hat eigenes Ticket und eigene Zeiten. Eine halbe Stunde, zusätzlich zu den zwei oder drei des Herzogspalasts. Der beste Platz ist die Freitreppe am Ende des Tages, wenn die Studenten herauskommen.
Tipp der Redaktion
Treten Sie nach dem Herzogspalast ein, nicht davor: Nach Federicos Studiolo und Pieros Geißelung bringt eine weiße, leere klassizistische Kirche den Kopf wieder in Ordnung, und man versteht den Geschmack des Herzogs besser, wenn man sieht, was sein Architekt hier vorhatte. Dann lesen Sie die Inschrift am Fries: Eine Universität bezahlt das Dach der Kathedrale, und urbinatischer geht es nicht.
