In einer Seitengasse unterhalb der Festung, zweihundert Meter vom Herzogspalast, wegen dessen alle nach Urbino kommen, liegt ein rechteckiger Saal, dessen Wände die Brüder Lorenzo und Jacopo Salimbeni mit Fresken bedeckt haben: einer der Gipfel der italienischen Spätgotik. Der Zyklus war 1416 vollendet, und kaum jemand steht dafür an.
Sehenswertes
Die Stirnwand nimmt eine gewaltige Kreuzigung ein, voller Soldaten, Pferde, Schaulustiger und Gestalten, die sich zum Betrachter wenden: Viele dieser Gesichter sind Bildnisse damaliger Bewohner Urbinos. An den anderen Wänden laufen die Geschichten des Täufers, gemalt mit hellen Farben, bestickten Stoffen und jener kleinteiligen Genauigkeit, die diese Zeit kennzeichnet.
Das Oratorium war Sitz einer Laienbruderschaft, die ein Spital für Kranke und Pilger führte: Die ersten Nachrichten stammen von 1365, der Bau wurde 1393 vollendet. Die neugotische Fassade dagegen stammt vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, hinzugefügt, als das Oratorium die benachbarten Bruderschaften aufnahm.
Der Besuch
Das Oratorium liegt in der Via Barocci, fünf Minuten zu Fuß bergab vom Herzogspalast; günstige Karte, begrenzte Zeiten und Mittagsschließung, also besser prüfen. Eine halbe Stunde.
Tipp der Redaktion
Sehen Sie auf die Daten: Diese Fresken entstanden eine Generation, bevor Piero della Francesca mit seiner Geometrie nach Urbino kam. Die Stadt, die die Perspektive der Renaissance hervorbrachte, hatte zuvor schon diese dichte, erzählende Malerei. Beides liegt wenige Schritte auseinander und gleicht einander in nichts.
