⛪ Kirchen und Heiligtümer

cattedrale di Isernia

📍 Isernia, Molise · 53/100

Unter dem Glasboden des Mittelschiffs sieht man, was zuerst da war: das Travertinpodium eines Tempels für Jupiter, Juno und Minerva, errichtet, als Isernia die 264 v. Chr. gegründete latinische Kolonie war. Die Kathedrale San Pietro Apostolo hat den Tempel nicht einfach ersetzt, sie hat sich daraufgesetzt, und der antike Sockel springt am Corso Marcelli noch immer mit seinen prallen Wulstprofilen vor.

Sehenswertes

Die Kirche, die man heute betritt, ist die Summe einer langen Reihe von Erdbeben. 1349 nach einem Einsturz von Grund auf neu gebaut, nach 1456 wieder instand gesetzt, nach dem Beben von 1805 größer aufgeführt: Die klassizistische Front mit ihren vier ionischen Säulen und dem Travertingiebel gehört zum letzten dieser Wiederaufbauten. Die linke Flanke, im Ziegelrohbau belassen, erzählt dasselbe schnörkelloser, mit einem zugemauerten Barockportal, das über dem Straßenniveau hängen geblieben ist.

Der Glockenturm ist die Überraschung: Die Isernier nennen ihn Arco di San Pietro, weil der Corso unter seinem Spitzbogen hindurchführt, im selben unteren Geschoss, in dem vier togagekleidete Statuen römischer Zeit stehen. Innen bewahrt die Kuppel das Fresko, das Amedeo Trivisonno dem Dogma der Aufnahme Mariens widmete und das Bombardement wie Erdbeben unbeschadet überstand; in der Sakramentskapelle wird die Virgo Lucis verwahrt, eine byzantinische Tafel, die 1567 in die Stadt kam.

Der Besuch

Zu den Grabungen unter der Kirche gelangt man über einen Eingang im Nachbargebäude, ein Teil lässt sich aber auch von innen lesen, durch den Glasboden, der 2002 anstelle des Bodens aus dem vorigen Jahrhundert verlegt wurde. Es lohnt sich, das Schiff zuerst mit gesenktem Blick abzugehen: Die drei Cellae des Tempels, eine je Gottheit, erklären, warum die Kathedrale so ausgerichtet ist.

Tipp der Redaktion

Treten Sie an der Flanke zum Corso Marcelli hinaus und biegen Sie in den vico Giobbe ein: Die Gasse bewahrt, wohl verschliffen, den Namen Jupiters, und dort lag der Eingang des heidnischen Tempels. Wenige Schritte führen vom kapitolinischen zum christlichen Kult, ohne den Häuserblock zu wechseln.

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