⛪ Kirchen und Heiligtümer

abbazia di San Vincenzo al Volturno

📍 Rocchetta a Volturno, Molise · 59/100

Fast alles, was wir über die Anfänge dieses Ortes wissen, verdanken wir einem Buch. Um 1130 stellte ein Mönch namens Johannes das Chronicon Vulturnense zusammen, eine illuminierte Handschrift in beneventanischer Schrift, die heute in der Vatikanischen Bibliothek liegt. Dort steht die Geschichte der drei Adligen aus Benevent — Paldo, Tato und Taso —, die 731 ihr gesamtes Familienvermögen einsetzten, um am Volturno ein Kloster zu gründen, wo bereits ein dem heiligen Vinzenz geweihtes Oratorium stand.

Daraus wurde eine der mächtigsten Abteien Europas. 787 gewährte Karl der Große ihr Steuer- und Gerichtsprivilegien; im folgenden Jahrhundert glich der Konvent unter den Äbten Josua, Talaricus und Epiphanius eher einer kleinen Stadt als einem Kloster. Dann der Absturz. 860 zahlte man Sawdan, dem Emir von Bari, einen hohen Tribut, damit er auf die Plünderung verzichtete; 881 kamen die Sarazenen im Sold des Herzogs von Neapel trotzdem herein, begünstigt durch den Verrat der Dienerschaft, und brannten alles nieder. Die Überlebenden flohen nach Capua.

Sehenswertes

Der Besuch verteilt sich auf beide Flussufer. Auf der einen Seite steht die neue Abtei, an besser zu verteidigender Stelle errichtet und 1115 von Papst Paschalis II. geweiht: romanische Fassade mit Rundbogenportal und großem Okulus, drei Schiffe unter Kreuzrippengewölben, eine halbrunde Apsis mit Resten von Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Daneben beherbergt der L-förmige Abteipalast aus Quadersteinen die Klostergemeinschaft; er ist nur zu den Gebetszeiten zugänglich.

Auf der anderen Seite führt die Ponte della Zingara, eine einbogige Steinbrücke aus dem 17. Jahrhundert, in das Grabungsgelände. Man geht durch den mit Ziegeln gepflasterten Eingangskorridor, blickt in den trapezförmigen Gartenhof, dessen Nord- und Ostseite Säulengänge trugen, und erkennt Reste der Türme und der Ringmauer. Es sind die Schichten der 881 niedergebrannten Klosterstadt, freigelegt vom San Vincenzo Project, das 1980 begann und heute von Federico Marazzi geleitet wird.

Tipp der Redaktion

Das Erdbeben von 1349 vollendete, was die Sarazenen begonnen hatten; jahrhundertelang lebte hier keine feste Gemeinschaft mehr. 1989 kam eine zurück: Benediktinerinnen aus dem Kloster Regina Laudis in Connecticut. Es lohnt sich, den Besuch nach den Gottesdienstzeiten zu legen. Den Gesang in einer Kirche zu hören, die nach den Bombardierungen des letzten Krieges wieder aufgebaut wurde, wenige hundert Meter von den Ruinen der frühmittelalterlichen entfernt, erklärt besser als jede Tafel, was Kontinuität an diesem Ort bedeutet.

Rocchetta a Volturno entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.