Eine Zeile im Taufregister der Pfarrei Santa Maria Assunta in Carovilli, datiert auf den 28. September 1903, hält einen ungewöhnlichen Tag fest: die Überführung der Reliquien des heiligen Stephanus, gefeiert im Beisein von Bischof Carlo Pietropaoli. Herzog Giovanni d'Alessandro von Pescolanciano, neunundsiebzig Jahre alt und wirtschaftlich längst ruiniert, sorgte dafür, dass zu diesem Anlass eine neue silberne Urne angeschafft wurde, bezahlt „mit dem Scherflein der Frömmigkeit der Bürger“. Also kein herrschaftliches Geschenk von oben, sondern eine Sammlung im Dorf: Die Kirche, in der die Taufen eingetragen wurden, war zugleich der Ort, an dem man verwahrte, was allen wertvoll erschien.
Sehenswertes
Am meisten erzählt das marmorne Weihwasserbecken der Pfarrkirche: In den Stein gehauen sind die Bildnisse von Agapito d'Alessandro (1595-1655), Baron von Pescolanciano, und seiner Gemahlin. Es lohnt sich, einen Moment über den Ort nachzudenken. Nicht über einem Altar, nicht in einer eigenen Kapelle, sondern an jenem Becken, das jeder Eintretende mit nassen Fingern berührte, noch bevor er sich setzte. In einem Lehen, das dem Baron für Carovilli und Castiglione Abgaben zahlte, erinnerte diese alltägliche Geste ohne ein einziges Wort daran, in wessen Hand das Land ringsum lag.
Tipp der Redaktion
Kommen Sie Mitte August, zum Fest Mariä Himmelfahrt, dem die Kirche geweiht ist: Aus den herzoglichen Papieren geht hervor, dass genau in diesen Tagen die Zahlungsanweisungen für die Messen in Carovilli, Castiglione und Civitanova eintrafen. Um dieses Datum dreht sich der Kalender des Dorfes seit Jahrhunderten. Wer außerhalb der Saison kommt, geht trotzdem weiter bis zur Piazza Municipio: Neben dem Stadtturm steht das Palazzetto d'Alessandro, über dessen Portal das Wappen d'Alessandro-Ruffo Scilla sitzt. Dieselbe Familie wie am Weihwasserbecken, zwei Jahrhunderte später.
