Der Entwurf für das Heiligtum von Castelpetroso ging vom Vater auf den Sohn und weiter auf den Enkel über: Begonnen hat ihn der Ingenieur Francesco Gualandi, fortgeführt sein Sohn Giuseppe, vollendet der Enkel, der wieder den Namen des Großvaters trug. Der Grundstein wurde am 28. September 1890 gelegt, geweiht wurde die Kirche am 21. September 1975. Dazwischen liegen zwei Weltkriege, ständiger Geldmangel und Umfassungsmauern, die erst 1950 geschlossen waren.
Am Anfang stehen die Erscheinungen. Am 22. März 1888 sollen zwei Hirtinnen, Serafina und Bibiana, an einem Ort namens Cesa tra Santi an den Hängen des Monte Patalecchia die Schmerzensmutter gesehen haben. Die Kirche wurde bewusst weiter talwärts errichtet als der Ort der Erscheinungen, damit die Pilger sie leichter erreichen. 1973 erklärte Paul VI. die Schmerzensmutter von Castelpetroso zur Patronin des Molise; Johannes Paul II. kam am 19. März 1995 herauf, Papst Franziskus am 5. Juli 2014, um die Jugendlichen aus den Abruzzen und dem Molise zu treffen.
Sehenswertes
Die Fassade steht eingespannt zwischen zwei quadratischen Glockentürmen und ist in drei gleich hohe Abschnitte geteilt, jeder von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen: in der Mitte ein vierteiliges Maßwerkfenster, an den Seiten dreiteilige. Darunter drei gestufte Portale mit Mosaiklünetten — mittig Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes, seitlich Verkündigung und Marienkrönung — und Bronzetüren mit Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament. In den Türmen hängen zehn Glocken der Gießerei Marinelli aus Agnone. Darüber erhebt sich die achteckige Kuppel auf hohem Tambour; ihre Laterne erreicht 52 Meter.
Innen ein Zentralbau: ein achteckiger Raum unter der Kuppel, ein Umgang mit Kreuzgewölben und die Kapellen, die sich daran öffnen. Mit der Hauptkapelle, die dem Eingang gegenüberliegt und einen erhöhten Boden hat, sind es sieben — so viele wie die Schwerter, die das Herz der Schmerzensmutter durchbohren. In jeder der sechs Seitenkapellen steht ein Altar aus Buntmarmor unter einem Gemälde von Amedeo Trivisonno mit einem der Schmerzen Mariens; von ihm stammen auch die Auferstehung und die Himmelfahrt Mariens in der Vorhalle.
Tipp der Redaktion
In der Hauptkapelle steht, in einer reich gearbeiteten neugotischen Marmorädikula namens Trono, das Gnadenbild: zwei bemalte Holzfiguren, die halb kniende Maria neben dem am Boden liegenden Leichnam Christi. Die heutige Gruppe entstand 1963 als Nachbildung des Originals von Nicola Santillo. Nehmen Sie sich ein paar Minuten — alles andere hier existiert ihretwegen.
