Im Dezember 1930 begannen zwei Brüder, Leone Patrizio und Francesco Angelantonio Carusillo, den Hochaltar der Basilika abzutragen: Er war zur Zeit der Klosteraufhebung zugemauert worden, und dahinter stand der Sarkophag des heiligen Nikander. Ein grober, schmuckloser Kasten, aus einem einzigen antiken Block gearbeitet. Drei Jahre später, 1933, kam er in die neu errichtete Krypta, in die man noch heute hinabsteigt.
Die Basilika liegt am östlichen Ortseingang von Venafro. Schon vor 955 hatten basilianische Mönche eine Kirche über dem Grab des Märtyrers errichtet; das Chronicon Vulturnense nennt sie im Zusammenhang mit einer langobardischen Schenkung. Im November 1290 gewährte Papst Nikolaus IV. den Besuchern einen Ablass. Seit 1573 gehört die Anlage den Kapuzinern, die im Kloster nebenan wohnen. Zwischen dem neunzehnten und dem zwanzigsten Jahrhundert hielt sich hier krank der junge Francesco Forgione auf, der spätere Pater Pio von Pietrelcina.
Sehenswertes
Die romanische Staffelfassade aus weiß übertünchtem Werkstein bewahrt ihre ursprüngliche Fensterrose; das Portal trägt ein modernes Mosaik auf Goldgrund. Auf dem Vorplatz steht ein Stationskreuz, gearbeitet aus einer Säule römischer Zeit, rechts davon der Kreuzgang des Klosters mit Rundbögen um einen Brunnen. Das Innere hat zwei Schiffe, der spätbarocke Stuck wurde Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erneuert: im Seitenschiff ein hölzernes Kruzifix des vierzehnten Jahrhunderts, in der Apsis das große eingelegte Chorgestühl und der Altartabernakel von Bruder Berardino da Mentone, der das Altarbild von Dirk Hendricksz rahmt, jenem Flamen, den man in Neapel Teodoro d'Errico nannte: die Madonna mit Kind zwischen dem heiligen Franziskus und dem heiligen Nikander.
Tipp der Redaktion
Steigen Sie ohne Eile in die Krypta hinab: Aus dem steinernen Grab tritt in Abständen eine Flüssigkeit aus, die hier «santa manna» heißt, und genau darum zählt dieser Ort bis heute. Wenn möglich, kommen Sie zwischen dem 16. und 18. Juni: Das Fest beginnt um Mitternacht, die silberne Reliquienbüste zieht in Prozession von der Kirche dell'Annunziata herüber, am 17., dem Tag des Martyriums, übergibt der Bürgermeister die Schlüssel und die Kerzen an die «Figur» des heiligen Nikander, und am Abend des 18. singt die halbe Stadt die Hymne an die Schutzpatrone.
