Die Wallfahrtskirche hat mittelalterliche Wurzeln und liegt außerhalb der Ortschaft, dort wo einst der Wald begann. In einer Urkunde von 1261 heißt die romanische Kapelle opera di Santa Maria, gehörte den Benediktinern und stand nahe einer Furt an der Straße zwischen Boves und Peveragno: eine Rast für Pilger und Reisende. Das erste Dokument, das sie ausdrücklich nennt, ist ein Testament von 1291, in dem Donna Ricolda 12 Soldi der opera di Santa Maria von Boves vermacht.
Sehenswertes
Mit den wachsenden Feldern rund um Boves schrumpfte der Wald, und schon zwischen dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert war die Kapelle ein örtliches Heiligtum geworden, Ziel der Wallfahrten von Bruderschaften und fester Bezugspunkt der Bauern. In den siebziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts bemalte sie ein Meister ligurisch-piemontesischer Schulung mit einem Zyklus über die Geschichten der Jungfrau und die Kindheit Christi: Die erhaltene Folge zählt neun Szenen und gilt als der kostbarste Bilderzyklus dieses Teils der Provinz.
Der Besuch
Im siebzehnten Jahrhundert wurde der Bau bei zunehmenden Wallfahrten und gewachsener Bevölkerung erneut erweitert, und der Erweiterung folgte ein neuer Freskenzyklus über die Tugenden und die Krönung Mariens im Himmel. Deshalb liest man im Inneren nebeneinander Gotik, Renaissance und Barock: Jede Zeit hat ihre Wand hinterlassen.
Tipp der Redaktion
Sich für die neun Szenen des fünfzehnten Jahrhunderts Zeit nehmen, bevor man den Rest ansieht. Das ist erzählende Malerei, für Leute gemacht, die nicht lesen konnten, und so wirkt sie noch heute: Man folgt ihr wie einem Bilderstreifen, Feld für Feld. Jüngste archäologische Untersuchungen haben ältere Fundamente als die romanischen gefunden; der Ort war also lange vor der Kapelle ein fester Punkt an der Straße.
