Die Wallfahrtskirche Santa Cristina liegt auf achthundertsechzig Metern Höhe, auf einer vom Wald gesäumten Anhöhe, an der Grenze zwischen den Gemeinden Verzuolo und Pagno. Ihre Existenz ist seit 1367 bezeugt: Man weiß es aus einer Urkunde vom 2. Februar jenes Jahres, dem Testament des Galeazzo di Saluzzo, Bruder des Markgrafen Friedrich II., aufgesetzt in der alten Burg von Verzuolo, in der Galeazzo wohnte, also bevor Friedrich die heutige errichten ließ.
Sehenswertes
Die Kirche hat ein einziges Schiff, und vor ihr liegt eine später als der Hauptbau angefügte Vorhalle, unter der sich das hölzerne Tor öffnet. Drinnen befindet sich über der Tür eine Holztribüne, von der aus man den Glockenturm erreicht; die Sakristei liegt rechts vom Chor. Davor breitet sich ein unbefestigter Platz mit einer Quelle. Neben der Kirche steht ein heute baufälliges Nebengebäude, in dem einst Zimmer vermietet wurden: ein Zeichen dafür, dass man hier blieb und nicht bloß vorbeikam. Nicht weit entfernt steht zudem ein halb verfallener Turm, an dessen Mauern Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch das Wappen der Tapparelli zu erkennen war.
Der Besuch
1536 überließ Markgraf Francesco di Saluzzo die Kapelle Paolo Turchi, einem Geistlichen, der dort als Einsiedler lebte; später wurde sie Sommersitz der Dominikaner von Saluzzo. Die Verehrung war stark und tief empfunden: Zum Patronatsfest am vierundzwanzigsten Juli, so die Chroniken, strömten sehr viele Menschen aus den umliegenden Dörfern herbei.
Tipp der Redaktion
Diese Feste wurden 1787 abgeschafft, weil es dabei zu schweren Unzuträglichkeiten zu kommen pflegte. Die Akten werden noch deutlicher: In Santa Cristina fanden Nachtfeste statt, bei denen die Teilnehmer unzüchtige Tänze aufführten und sich zu gemischten, mitunter schamlosen Versammlungen trafen. Es ist ein Satz derer, die dem ein Ende setzen wollten, und so sollte man ihn lesen; doch er sagt etwas Wahres darüber, was ein Bergheiligtum für die Leute bedeutete, die hinaufstiegen: nicht nur ein Ort der Andacht, sondern die einzige Gelegenheit im Jahr, eine ganze Nacht draußen zu bleiben. Feste und Prozession wurden später teilweise wieder aufgenommen, wenn auch unregelmäßig.
