Die Kathedrale San Giusto steht an der Piazza Savoia in der Altstadt von Susa, angelehnt an ein altes Tor der römischen Mauern. Sie begann als Benediktinerabtei: Gegründet hat sie 1027 Olderico Manfredi II., Markgraf von Turin und Susa, mit seiner Frau Berta und seinem Bruder Alrico, Bischof von Asti, an der Stelle einer frühchristlichen Kirche an der Mauer des vierten Jahrhunderts. Die Mönche kamen im Jahr darauf, doch fertig war die Anlage erst 1035. Seit 1940 ist sie Nationaldenkmal.
Sehenswertes
Das Äußere ist romanisch. Die Fassade blickt nach Westen, ist eine Giebelfassade und ganz weiß verputzt: unten das Portal, darüber teilen vier Lisenen die Wand in drei Felder mit einem großen einbogigen Fenster in der Mitte und zwei blinden an den Seiten, und zuoberst laufen ein Gesims aus roten Ziegeln und drei Fialen. Der Glockenturm ist einundfünfzig Meter hoch, stammt aus dem elften Jahrhundert und steigt in sechs Ordnungen auf, die drei unteren mit einbogigen, die drei oberen mit zwei-, drei- und vierbogigen Fenstern; Spitze und Fialen ließ im fünfzehnten Jahrhundert Kardinal Guillaume d'Estouteville anbringen. Gleich rechts der Kirche erhebt sich die Porta Savoia, ein römisches Tor des vierten Jahrhunderts mit zwei Rundtürmen.
Der Besuch
Die rechte Flanke ist eine kleine Freilichtgalerie. In der Lünette eines später zugesetzten Seitenportals findet sich eine zwischen 1125 und 1130 gemalte Kreuzigung, das älteste Fresko des Baus; daneben an der Wand das von zwei Engeln gehaltene Wappen Guillaume d'Estoutevilles, gemalt zwischen 1457 und 1483. Um die Tür des Baptisteriums ist der Einzug Christi in Jerusalem dargestellt, und in der Laibung eines zugemauerten Spitzbogens stehen Heilige. Innen ist der Grundriss ein lateinisches Kreuz mit drei Schiffen zu je fünf kreuzgewölbten Jochen; die Seitenkapellen wurden zwischen dem siebzehnten und dem achtzehnten Jahrhundert geöffnet.
Tipp der Redaktion
Kathedrale wurde diese Kirche spät und fast aus Not: Als Susa 1772 Bischofssitz wurde, war das benachbarte Benediktinerkloster geschlossen und die Kirche hatte ihre klösterlichen Aufgaben längst verloren, so erhob man ein für anderes errichtetes Gebäude zur Kathedrale. Der barocke Schmuck des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts wurde im neunzehnten weitgehend entfernt, und das Innere zeigt heute eine neuromanische Gestalt, die eine Vorstellung des neunzehnten Jahrhunderts vom Mittelalter ist. Betrachten Sie lieber Außenbau und Porta Savoia zusammen: Dort berühren sich Mittelalter und Rom wirklich, ohne Vermittlung.
