🏰 Burgen und Schlösser

castello della Contessa Adelaide

📍 Susa, Piemont · 50/100

Die Burg der Gräfin Adelheid steht auf der Anhöhe über der Altstadt von Susa, neben dem Augustusbogen, und gehört zu den ältesten Burgen des Tals. Der Name verweist auf Adelheid von Susa, die im elften Jahrhundert das alte Segusio, das umliegende Land, viele piemontesische Lehen und den Mont-Cenis-Pass in den Einflussbereich des Hauses Savoyen brachte; im Mittelalter war die Feste zugleich Befestigung und Residenz dieser Herrschaft. Heute beherbergt sie das Stadtmuseum und das Interpretationszentrum für das Susatal, nach der Restaurierung 2017 wiedereröffnet.

Sehenswertes

Die Anlage hat die Form eines L: Der kürzere Ostflügel blickt auf die Altstadt, der längere Nordflügel strebt zum Augustusbogen, und das Gelände dazwischen trennen teils abgetragene Mauern und Türme. Der Ostflügel wird ins zehnte und elfte Jahrhundert datiert, in die Zeit Adelheids, und bewahrt einige mittelalterliche Reste: die marmorne Pforte, die den Zugang von der Stadt her bot, und ein schönes zugesetztes zweifarbiges Biforienfenster, dazu weitere alte Biforien im Inneren. Der Nordflügel wirkt dagegen achtzehntes Jahrhundert, steht aber teilweise auf römischem Bestand.

Der Besuch

Was diesen Ort von einer gewöhnlichen Burg unterscheidet, ist die Schichtung. Auf demselben Areal liegen keltische Reste, der Augustusbogen, Mauern und Überbleibsel des römischen Kommandobezirks, Teile der Grafenburg und ein barocker Flügel nebeneinander. Nach Ansicht der Forschung steht die Burg genau dort, wo schon in vorrömischer Zeit das Machtzentrum lag, zur Zeit des keltischen Anführers Donnus, und dann in römischer: Die Grabungen haben an Ort und Stelle das Praetorium erkannt, den Sitz des Statthalters, etwa fünfundsiebzig mal zweiundvierzig Meter, neben dem Bogen.

Tipp der Redaktion

Von jenem römischen Palast blieben die Fundamente, ein Eingangsatrium, einige Steinchen eines Mosaikbodens und ein paar Gewölbe unterirdischer Räume: wenig zu sehen, sehr viel zu begreifen. Es heißt, dass zweitausend Jahre lang jeder, der in Susa herrschte, sich stets an derselben Stelle einrichtete: Kelten, Römer, mittelalterliche Grafen, Savoyer. Steigen Sie herauf, bevor Sie den Rest der Stadt besuchen: Von hier liest man das Tal, wie jene es lasen, und begreift, warum ein Triumphbogen ausgerechnet neben der Haustür des Statthalters landete.

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