Das Fort der Brunetta stand auf der gleichnamigen Anhöhe, einem von der Gletschererosion freigelegten Felssporn, der Susa von Norden überragt, zwischen der Dora Riparia und der Cenischia. Die Arbeiten begannen 1708, als das Herzogtum Savoyen beschloss, seine Grenzbefestigungen zu verstärken, nachdem der Spanische Erbfolgekrieg deren Nutzen gezeigt hatte; übergeben wurde das Fort rund dreißig Jahre nach dem ersten Stein. Der Entwurf stammte vom savoyischen Ingenieur Antonio Bertola.
Sehenswertes
Es war kein Fort, sondern eine militärische Zitadelle: Sie erstreckte sich über mehr als dreihunderttausend Quadratmeter und barg eine Kirche, Kasernen und ein Lazarett. Die fünf Bastionen hießen San Pietro, San Lazzaro, San Maurizio, Sant'Antonio und Santa Maria und waren unmittelbar aus dem gewachsenen Fels gehauen: Man hielt sie deshalb für fähig, der damaligen Artillerie standzuhalten, und die Anlage galt als uneinnehmbar. Einbezogen wurden auch das alte Fort Santa Maria, nach vielen Kriegen längst verfallen, und die Redoute Catinat, die von oben den Ausgang des Val Cenischia und damit die Straße zum Mont Cenis überwachte.
Der Besuch
Die Lage erklärt alles: Susa liegt am Kreuz der Wege zu zwei entscheidenden Pässen, dem Mont Cenis nach Savoyen und Nordfrankreich, dem Montgenèvre in die Dauphiné und nach Südfrankreich. Wer die Brunetta hielt, hielt auf dieser Seite den Zugang nach Italien. Es kamen auch namhafte Besucher: Kaiser Joseph II. im Jahr 1769 und Zar Paul I., der 1791 dort weilte; beide waren aufrichtig verblüfft.
Tipp der Redaktion
Die Brunetta gab nie einen Schuss ab, und vielleicht ist gerade das das Maß ihres Erfolgs: 1747 versuchten die Franzosen, sie zu umgehen und über die Wasserscheide am Colle dell'Assietta zu ziehen, wo die gleichnamige Schlacht geschlagen wurde, und in den napoleonischen Feldzügen wählten sie den Großen Sankt Bernhard. 1796 erzwang Napoleon nach dem Sieg über das Königreich Sardinien mit dem Waffenstillstand von Cherasco die Zerstörung aller Festungen des Reiches, und die Brunetta wurde abgetragen. Mit der Restauration baute man die zerstörten Forts wieder auf, dieses aber nicht: Napoleon hatte die Straße zum Mont Cenis befahrbar gemacht, auf einer Trasse oberhalb der Zitadelle, und eine Sperre musste nun höher liegen. An ihrer Stelle entstanden die Forts von Esseillon.
