Cardedu

Provinz: Nuoro · Region: Sardinien · Einwohner: 1.809 · PLZ: 08040

Dies ist eine der jüngsten Gemeinden Sardiniens, und sie besteht wegen einer Katastrophe. Nach dem Hochwasser von 1951 mussten etliche Einwohner von Gairo ihre Häuser verlassen und in die Ebene nahe dem Meer hinabziehen. Im Jahr 1966 entstand für jene Familien, die sich lieber etwas weiter oben niederlassen wollten, der Borgo di Cardedu, der anfangs aus nur vier Gebäuden bestand: der Kirche, der Grundschule, der Karabinierikaserne und den Büros des Meliorationskonsortiums Pelau-Buoncammino. Um jenen ersten Kern, der noch immer la borgata heißt, wurden die Wohnhäuser für die aus Gairo Gekommenen gebaut, und Cardedu wurde ein Ortsteil davon. Dann, 1984, wurde es zur eigenen Gemeinde erhoben: dieses Jahr steht in römischen Ziffern im Schildhaupt des Gemeindewappens, wie es tut, wer eben erst entstanden ist und will, dass man es weiß. Der Name kommt aller Wahrscheinlichkeit nach von den Disteln, von denen die Gegend voll war, ehe man darauf baute.

Gerade weil der Ort neu ist, gibt es keine Gebäude von geschichtlichem Rang, doch der Boden darunter ist uralt: da sind die Nuraghen von Perda e Pera, die domus de janas bei Cucuddadas und vor allem ein eindrucksvoller nuraghischer Heiliger Brunnen namens Su Presoneddu. Er ist noch unversehrt, und er ist völlig verlassen. Die Quelle sagt es ohne Umschweife: keine örtliche Verwaltung hat ihn je für wertvoll gehalten, und nun droht er durch die Vernachlässigung der Zeit und durch Vandalen zugrunde zu gehen. In der Pfarrkirche San Paolo Apostolo hängt dagegen ein Kreuzweg, geschenkt von Maria Lai, der Künstlerin aus Ulassai. Der Ort liegt an der Küste der Ogliastra, zwischen Bari Sardo, Jerzu und Tertenia, und die Sprache, die man dort spricht, ist das campidanesische Sardisch der Ogliastra.

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