🏺 Archäologische Stätten

Adranon

📍 Adrano, Sizilien · 47/100

Im Jahr 400 v. Chr. gründete Dionysios von Syrakus Adranon an den südwestlichen Hängen des Ätna, neben einem Heiligtum des Adranos, des Feuergottes, den man in ganz Sizilien verehrte und der mit der Tätigkeit des Vulkans verbunden war. Die Lage beherrschte das damals schiffbare Tal des Simeto und das sikulische Centuripe; 344 v. Chr. wurde die Ebene zum Schauplatz des Sieges, den der Korinther Timoleon über Iketas, den Tyrannen von Leontinoi, errang, und danach verbündeten sich die Adraniten mit ihm. Genau hier entging Timoleon einem Anschlag, während er im Tempel des Gottes ein Opfer darbrachte.

Sehenswertes

Am besten erhalten ist die griechische Stadtmauer aus dreieinhalb Meter dicken Lavasteinblöcken: Im Osten liegt ein langer Abschnitt frei, dazu ein viereckiger Turm, der an die Kirche San Francesco gebaut ist, und ihr Verlauf lässt dich die sechzig Hektar der antiken Stadt im Gelände ablesen. Die Grabungen haben feine Häuser vom Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit Resten von Mosaikböden freigelegt sowie eine Straße derselben Zeit, die auf fast hundert Meter verfolgt wurde, mit Rinnen aus Lavastein an den Seiten für den Ablauf des Regenwassers. Der Tempel des Adranos wurde nie gefunden, doch sechzehn Basaltsäulen stecken im Inneren der Chiesa Madre, gleich neben der normannischen Burg an der piazza Umberto I: Man hat vermutet, dass das Heiligtum genau dort stand. Im Regionalen Archäologischen Museum von Adrano ist das Material der Umgebung gesammelt, darunter die Funde aus dem nahen Mendolito, ein Bronzedepot des 8. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. von rund 800 kg und ein Stadttor des 6. Jahrhunderts mit einer Inschrift in sikulischer Sprache, die bis heute nicht entziffert ist.

Der Besuch

Die ersten Grabungen stammen aus dem Jahr 1959, und systematisch untersucht wurde das Gelände nie, auch wegen der starken Bebauung, die die Nordseite unter der modernen Stadt begraben hat; das Areal der Mauern ist allerdings hergerichtet und für Besucher geöffnet. In Adranon wurden Münzen geprägt: eine Bronzeserie des 4. Jahrhunderts v. Chr., geschlagen zur Zeit Timoleons, mit dem Bildnis des Flussgottes Adranos. Ein berühmtes Stück aus dem Gebiet ist dagegen nicht vor Ort geblieben: Die Bronzefigur eines nackten Athleten, sizilisch-griechische Kunst des 5. Jahrhunderts v. Chr., gefunden in der Contrada Polichello, steht heute im Museum von Syrakus.

Tipp der Redaktion

Halte am besten drei nahe beieinander liegende Punkte zusammen: den Mauerabschnitt im Osten, die Chiesa Madre mit den Basaltsäulen des vermuteten Tempels und die normannische Burg an der piazza Umberto I, und schließe dann im Regionalen Archäologischen Museum ab, um den Bronzen von Mendolito ein Gesicht zu geben. So erzählen die verstreuten Steine im Gelände wieder von einer Stadt.

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