Es war ein Kornspeicher, und man sieht es noch: ein vierzig Meter hoher Steinwürfel mitten in der Via Calzaiuoli, mit zugemauerten gotischen Dreipassfenstern und Obergeschossen, in denen das Getreide der Stadt lagerte. An der Stelle lag der Garten einer kleinen, dem heiligen Michael geweihten Kirche, daher der Name; die Marktloggia brannte 1304 und wurde ab 1337 neu gebaut, doch die auf einen Pfeiler gemalte Madonna wirkte Wunder und zog mehr Gläubige an als Käufer. Also schloss die Kommune die Bögen, verlegte den Markt und machte das Erdgeschoss zur Kirche der Arti, der Zünfte, die Florenz regierten.
Sehenswertes
Außen die vierzehn Nischen, die 1404 den Zünften zugewiesen wurden, jede verpflichtet, binnen zehn Jahren ihren Schutzheiligen hineinzustellen: Daraus wurde der Bildhauerwettstreit, der die Renaissance eröffnete. Ghiberti goss in Bronze den Johannes den Täufer für die Kaufleute der Calimala, den Matthäus für die Geldwechsler und den Stephanus für die Wollzunft; Donatello meißelte den Markus für die Leinenhändler und den Georg für die Waffenschmiede; Nanni di Banco die Vier Gekrönten Heiligen für die Steinmetze; Verrocchio ein halbes Jahrhundert später den Ungläubigen Thomas für das Handelsgericht. Was Sie in den Nischen sehen, sind Kopien: Die Originale stehen im Museum in den Obergeschossen, der Georg seit 1891 im Bargello.
Innen bewahrt die zweischiffige Kirche das Tabernakel aus Marmor, Mosaik und Glas, das Orcagna 1359 für die Madonna delle Grazie von Bernardo Daddi vollendete, bezahlt mit den Spenden, die nach der Pest einströmten: der Gipfel der Florentiner gotischen Skulptur, mit der Himmelfahrt Mariens auf der Rückseite. An den Pfeilern sind die Fresken der Zunftheiligen erhalten.
Der Besuch
Der Eintritt in die Kirche ist frei; das Museum der Statuen im ersten und zweiten Stock erreicht man über Buontalentis Brücke vom Palast der Wollzunft, es wird mit dem Bargello geführt und hat eigenes Ticket und eigene Öffnungszeiten. Vom obersten Saal blicken die Fenster auf die Kuppel und den Palazzo Vecchio aus einer Höhe, die im Zentrum ihresgleichen sucht.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie vor dem Aufstieg außen um die Nischen, mit der Nase nach oben, und suchen Sie dann oben die Originale aus zwei Metern Entfernung: Ghibertis Matthäus und Nanni di Bancos Gekrönte Heilige, die miteinander diskutieren, versteht man nur so. Und prüfen Sie vor dem Kommen die Öffnungszeiten des Museums, die enger sind als die der Kirche.
