Es wurde 1288 von Folco Portinari gegründet, dem Bankier und Vater von Dantes Beatrice, der sich wie viele der Wucherei verdächtige Reiche mit einem frommen Werk erlösen wollte; doch die Idee war, sagen die Papiere, die seiner Haushälterin Monna Tessa, die mit anderen Frauen die Kongregation der Oblatinnen gründete, der ersten Krankenpflegerinnen von Florenz. Es begann mit zwölf Betten und hatte im vierzehnten Jahrhundert zweihundert, als ein Krankenhaus zwanzig hatte: Es wurde zum Vorbild der großen europäischen Spitäler, und 1524 erbat Heinrich VIII. von England seine Statuten, um sie in London nachzuahmen. Ende des fünfzehnten Jahrhunderts eröffnete Leonardo da Vinci hier eine Anatomieschule und zeichnete seine Leichen. Es ist das älteste noch voll arbeitende Krankenhaus Europas: Die Leute kommen durch die Notaufnahme herein.
Sehenswertes
Die Loggia am Platz, von Buontalenti, lang und streng, mit der Inschrift des Spitals und der Statue Francescos I.; darunter schützt man sich vor dem Regen wie im sechzehnten Jahrhundert. Im Hof der Eingang zur Kirche Sant'Egidio, wo Domenico Veneziano, Piero della Francesca, Andrea del Castagno und Baldovinetti gemeinsam den Marienzyklus malten, im sechzehnten Jahrhundert zerstört, von dem nur Fragmente bleiben, heute im Cenacolo di Sant'Apollonia; drinnen das Tabernakel des Bernardo Rossellino und die Madonna des Andrea della Robbia.
In den Sälen und Kreuzgängen, was geblieben ist: die Fresken des frühen fünfzehnten Jahrhunderts im Saal Papst Martins V., die Gedenktafeln, die Büsten der Ärzte, der Kreuzgang der Medicherie von Bicci di Lorenzo und der Knochenkreuzgang, wo das Jüngste Gericht des Fra Bartolomeo stand, heute im Museum von San Marco. Und der unterirdische Gang, der die Männer- mit der Frauenabteilung verband, noch immer unter der Via Portinari, der Straße, die Via delle Pappe hieß, nach den Suppen, die man den Kranken brachte.
Der Besuch
Das Krankenhaus liegt an der Piazza Santa Maria Nuova, fünf Minuten vom Dom; es ist ein arbeitendes Spital, kein Museum: Loggia und Hof durchquert man frei, die Kirche Sant'Egidio hat Gottesdienstzeiten, und die historischen Teile, Säle und Kreuzgänge, sieht man bei Führungen, die die Gesundheitsbehörde und Vereine an zu prüfenden Terminen anbieten. Eine halbe Stunde draußen, anderthalb mit der Führung.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie durch die Loggia und schauen Sie den Menschen zu, die hinein- und hinausgehen: Bahren, Angehörige, Ärzte. Dann denken Sie daran, dass das ohne Unterbrechung seit 1288 so geht, dass hier Leonardo seine Toten sezierte und dass ein florentinisches Sprichwort sagt, in Santa Maria Nuova finde jeder ein Leiden, der keines hat. Es ist das einzige Denkmal in Florenz, das niemand je aufgehört hat für das zu benutzen, wofür es gemacht wurde.
