Der Name ist 1167 als Vidore bezeugt und kommt wahrscheinlich von der Rebe oder von vitor, dem Korbmacher; die Quellen zählen dann eine Reihe von Volksetymologien auf, die sie für unbegründet erklären, von den «goldenen Reben» über einen Offizier Alboins und einen Heiligen, dessen Leichnam hier vorbeikam, bis zum Wort für Führer. Gemacht aber hat den Ort der Übergang: ein Straßenknoten und ein Flusshafen am Piave, bis 1871 in Gebrauch, mit der Burg auf dem Hügel und der Abtei unten. Diese Abtei, Santa Bona, gründete zwischen 1107 und 1110 ein gewisser Giovanni Gravone da Vidor, um dort die Reliquien einer Heiligen zu verwahren, die er während des Ersten Kreuzzugs aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte; die Serenissima hob sie 1773 auf.
Im dreizehnten Jahrhundert entstand hier das Spital der Battuti-Bruderschaft für die durchziehenden Wanderer. Der Erste Weltkrieg kam über denselben Übergang: Vidor war der Brückenkopf, über den die aus Caporetto zurückweichenden Truppen den Piave überquerten, und dann blieb die Front hier stehen, und der Ort war bis zum Schluss besetzt. Die Abtei wurde fast zerstört; vom Ensemble der Pfarrkirche blieb allein der Glockenturm nahezu unversehrt, wohl weil der Gegner ihn als Orientierungspunkt brauchte. Auf dem Hügel, auf dem die 1510 geschleifte Burg stand, steht heute das Beinhaus-Denkmal für die Gefallenen, und derselbe Ort, der noch immer Castello heißt, trägt den Palio aus, der die Angriffe auf die Festung nachspielt.