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⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Giorgio dei Greci

📍 Venezia, Venetien · 62/100

Nach dem Fall Konstantinopels, 1453, bildete sich in Venedig die größte griechische Gemeinde des Westens: Kaufleute, Seeleute, Söldner und Gelehrte, die aus dem Reich geflohen waren. Um eine eigene Kirche orthodoxen Ritus zu bekommen, mussten sie jahrzehntelang mit der Republik verhandeln, die so etwas nicht gern gewährte; sie erhielten sie dank der griechischen Soldaten, die unter dem Zeichen des heiligen Markus kämpften, und der Gelehrten, die in der Stadt Bücher druckten. Die Arbeiten begannen 1539.

Sehenswertes

Drinnen ist man nicht mehr in Italien: Da ist die Ikonostase, die Wand aus Ikonen auf Goldgrund, die die Gläubigen vom Altar trennt, von kretischen Meistern gemalt, und darüber läuft die den Frauen vorbehaltene Empore. Die Formen des Baus sind venezianische Renaissance, die darin gefeierte Liturgie ist byzantinisch, und aus dieser doppelten Natur kommt der ganze Reiz des Ortes. Seit 1991 ist die Kirche Kathedrale der orthodoxen Erzdiözese von Italien und Malta.

Nebenan, in den Gebäuden der alten Schule der Gemeinde, liegt das Ikonenmuseum: eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen kretischer und nachbyzantinischer Malerei, mit Tafeln vom fünfzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert. Es sind die Werke der griechischen Künstler, die in Venedig für die eigene Gemeinde und für den westlichen Markt arbeiteten, in derselben Schule, aus der jener Maler hervorging, den man später in Spanien El Greco nannte.

Der Besuch

Die Kirche liegt in Castello, hinter San Zaccaria, zehn Minuten zu Fuß von der Piazza San Marco; sie ist zu begrenzten Zeiten und zu den Gottesdiensten geöffnet, das Ikonenmuseum hat eigene Karte und Zeiten. Dreiviertelstunde für beides. Es ist eine lebendige Pfarrei: Sonntags wird auf Griechisch gefeiert.

Tipp der Redaktion

Bleiben Sie vor dem Eintreten auf der Brücke über den Rio dei Greci stehen und sehen Sie den Glockenturm an: Er neigt sich sichtlich zum Kanal, so sehr, dass man im neunzehnten Jahrhundert eingreifen musste, um ihn aufzuhalten. Er ist einer der schiefsten Türme Venedigs, was etwas heißt, und von dort begreift man, worauf diese Stadt steht: auf Holzpfählen im Schlamm.

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