Unter diesem Ort liegt weißer Bildhauerstein, und daher kommt ein guter Teil seiner Geschichte: die Steinmetzmeister von Poggio haben daraus Hunderte von Portalen, Balkonen, Brunnen und Adlern gehauen, und der Ort selbst ist voll von dem, was sie gemacht haben. Es ist ein Stein, der sich leicht bearbeiten lässt, und er hat eine Eigenschaft, die dem Handwerk entgegenkommt: mit den Jahren härtet er und überzieht sich mit einer goldenen Patina. Der Name dagegen kommt von weiter her, von einem Stützpunkt der Picener auf dem Monte Picenze, im dritten Jahrhundert vor Christus. Der heutige Ort entstand um das zwölfte Jahrhundert, zur Zeit der Verburgung, und eine Urkunde von 1173 nennt ihn bereits Podium de Picentia; 1254 nahm er mit anderen Burgen an der Gründung von L'Aquila teil und erhielt einen Teil des Viertels Santa Maria, wo noch heute die Kirche Santa Maria di Picenze steht.
Die Treue zu L'Aquila kam ihn teuer zu stehen: 1423, während des angevinisch-aragonesischen Erbfolgekriegs, griff Braccio da Montone Poggio zusammen mit den anderen Burgen des Contado an, und die Feste ging schwer beschädigt daraus hervor. Ganz hergestellt wurde sie nie: 1832 hatte die Burg keine Eigentümer mehr und war so beschaffen, dass sie einzustürzen drohte, weshalb der Palastteil abgerissen wurde, um daraus neue Häuser zu bauen, und geblieben ist der elliptische Mauerring mit dem Stumpf des Turms, den man der Aussicht wegen besucht. Um den Rest haben sich die Erdbeben gekümmert. Nach jenem vom 6. Oktober 1762 musste der Ort größtenteils wieder aufgebaut werden, und die Pfarrkirche San Felice Martire wurde in dem gewaltigen Barock erneuert, den sie noch zeigt. Und am 6. April 2009 gehörte Poggio Picenze zu den am schwersten getroffenen Gemeinden: die beiden alten Viertel, jenes der Burg und jenes der via Umberto I, wurden unbewohnbar, und unter den Trümmern starben fünf Menschen, drei davon noch minderjährig. Im selben Jahr überwiesen die Einwohner von Sambucetole, einem umbrischen Dorf, Poggio Picenze die Einnahmen ihres Dreschfestes; die via Umberto I wurde erst im März 2012 wieder für den Verkehr geöffnet.