Im Saal im ersten Stock des Nordflügels ruht die Holzdecke auf 171 im 15. Jahrhundert geschnitzten Kragsteinen: Damengesichter mit modischen Hauben, Karnevalsfiguren, Hunde, Enten, Wölfe und Wildschweine, dazu Sirene, Einhorn, Drache und eine ganze Prozession teuflischer Ungeheuer. Man nennt ihn den Kopfsaal, und er ist der beste Grund, durch die Obstgärten zu dieser Burg zu gehen.
Sehenswertes
Die Anlage ist ein unregelmäßiger Haufen aneinandergebauter Häuser, gewachsen um den alten quadratischen Donjon, die turris Sariodorum, älter als das 14. Jahrhundert. Man betritt sie durch das Spitzbogenportal an der Ostseite, darüber das gemeißelte Wappen der Sarriod und ein zinnenbewehrter Gusserker auf doppelter Kragsteinreihe: Geöffnet wurde es um 1470 von Antoine de Sarriod de La Tour, der auch die Ringmauer mit runden Türmchen versah. In der Kapelle im Süden haben sich Fragmente eines um 1250 gemalten Zyklus erhalten, eines der seltenen Zeugnisse früher Gotik im Tal; das 1700 eingezogene Barockgewölbe schneidet ihn in zwei Hälften. Am Kapelleneingang wurden nach 1478 eine Kreuzigung und ein heiliger Christophorus gemalt.
Der Besuch
Die Burg steht in der Obstebene entlang der Dora Baltea, auf der dem berühmteren Schloss von Saint-Pierre gegenüberliegenden Seite des Ortes; ihre Südostseiten ruhen dennoch auf einem Sporn über dem Fluss. 1420 teilten die Brüder Yblet und Jean de Sarriod den Familienbesitz in zwei Zweige: Jean erhielt diesen Turm und baute ihn zum Repräsentationssitz aus. Die Sarriod blieben bis 1923; seit 1970 gehört die Burg der Region, die sie 2003 für das Publikum öffnete.
Tipp der Redaktion
Erst von oben ansehen, vom Schloss von Saint-Pierre aus: Nur von dort ergibt das Durcheinander der Bauteile einen Sinn. Dann hinunter und im Kopfsaal Zeit lassen, denn 171 Kragsteine erschließen sich nicht mit einem Blick.
