1764 veröffentlichte ein englischer Schriftsteller, Horace Walpole, einen Roman, der in einem apulischen Schloss voller Geheimgänge, Gespenster und vom Himmel fallender Riesenhelme spielt: Er hieß Das Schloss von Otranto und begründete die gesamte Schauerliteratur, also ein paar Jahrhunderte Gespenstergeschichten. Walpole war nie in Apulien gewesen: Er hatte den Namen auf einer Karte gewählt, weil er gut klang. Die wirkliche Burg aber gibt es, und sie ist weit weniger romantisch und weit ernster.
Sehenswertes
Sie wurde von den Aragonesen am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gebaut, nachdem die osmanische Flotte 1480 die Stadt genommen hatte: eine Artilleriefestung mit polygonalem Grundriss, drei zylindrischen Türmen, Graben und geneigten Mauern, an denen Kanonenkugeln abprallen sollten. Man begeht die Wehrgänge, die Innensäle und die Untergeschosse, und die Struktur liest sich bestens, weil sie nie in eine Residenz verwandelt wurde.
Heute beherbergt sie Ausstellungen und Veranstaltungen, und von den Terrassen sieht man den Hafen und das Meer, das nach Albanien führt, das an klaren Tagen zu erahnen ist. Nicht weit entfernt, in der Kathedrale, liegen der große Mosaikboden mit dem Lebensbaum und die Kapelle, in der die Gebeine der bei jener Einnahme der Stadt getöteten Einwohner bewahrt werden.
Der Besuch
Die Burg liegt in der Altstadt von Otranto, hinter dem Hafen; Eintritt mit Karte, täglich geöffnet mit saisonalen Zeiten, im Sommer länger. Dreiviertelstunde. Der Ort ringsum ist klein und in einer halben Stunde zu Fuß zu umrunden, Kathedrale eingeschlossen.
Tipp der Redaktion
Steigen Sie auf die Wehrgänge und blicken Sie nach Osten: Von hier begreift man, warum diese Stadt jahrhundertelang genommen, verteidigt und zurückerobert wurde. Es ist der östlichste Punkt Italiens, das Meer ist schmal, und an manchen Tagen sieht man die gegenüberliegende Küste mit bloßem Auge. Gehen Sie dann in die Kathedrale: Was hier im fünfzehnten Jahrhundert geschah, ist der Grund, warum die eben besuchte Burg gebaut wurde.
