Die Burg von Altojanni bewacht keinen Ort: Sie steht auf freiem Feld, gut ein Dutzend Kilometer von der Ortschaft Grottole entfernt, und was sie einst schützte, ist verschwunden. Auf der Hochebene lag eine richtige mittelalterliche Stadt mit eigener Kirche und eigenen Vorratsgruben; sie leerte sich und verschwand aus nie geklärten Gründen, wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert. Der Name klingt auch in der Forschung nach: Altojanni ist einer der beiden Orte, in denen man das langobardische Gastaldat Latiniano vermutet hat, doch die Zuordnung bleibt unsicher, denn auch Laviano kommt infrage.
Sehenswertes
Drei Dinge sind im Gelände noch zu lesen. Die Reste eines Wehrbaus, also des Turms, nach dem der Ort benannt ist; die Reste einer Kirche; und eine große Zahl in den Boden gegrabener Gruben, in denen Lebensmittel aufbewahrt wurden. Die Gruben erzählen die handfesteste Geschichte: Wer Nahrung in solchen Mengen unter der Erde lagerte, hielt keinen Wachposten, sondern ernährte eine ganze Stadt.
Ganz in der Nähe, auf der Kuppe der Hochebene, steht die Wallfahrtskirche Sant'Antonio Abate vom Ende des 14. Jahrhunderts, errichtet auf Wunsch der Königin Giovanna. Sie ist das einzige Gebäude der Hochfläche, das noch genutzt wird, und sie erklärt, warum Altojanni nie ganz vergessen wurde: Die Stadt ging unter, die Wallfahrt nicht.
Der Besuch
Hin kommt man nur mit dem Auto: vom Ortskern Grottoles sind es etwa zwölf Kilometer über Feldwege, und der Bezugspunkt, nach dem man im Dorf fragt, ist die Wallfahrtskirche, nicht die Burg, denn das ist der Name, den alle benutzen. Die Ruinen liegen im Freien, mitten in den Feldern, ohne Zaun und ohne Kasse. Oben auf der Hochebene schaut man zuerst auf den Boden und erst dann auf die Steine: Gruben und Mauern treten kaum hervor und fallen nur auf, wenn man weiß, dass es sie gibt.
Tipp der Redaktion
Fahren Sie am 17. Januar hin, dem Festtag des heiligen Antonius Abbas, oder am Pfingstsonntag und an den beiden folgenden Tagen: An diesen Terminen ist die Kirche Wallfahrtsziel, und die Hochebene hört für ein paar Stunden auf, menschenleer zu sein. An allen anderen Tagen des Jahres werden Sie in Altojanni vermutlich allein sein, was bei einem solchen Ort kein Nachteil ist.
