In dem Buch, das diese Geschichte im 20. Jahrhundert wieder ans Licht holte, führt Benedetto Croce die Ursprünge der Burg auf ein römisches castrum zurück, das die letzte Enge am Fluss Sinni bewachte: von dort an öffnet sich das Tal zum Ionischen Meer. Was heute über Valsinni steht, wurde vermutlich auf einer älteren langobardischen Befestigung errichtet, in den ersten Jahren nach 1000, und wirkt aragonesisch. Berühmt ist die Burg jedoch nicht wegen ihrer Mauern, sondern wegen Isabella di Morra, die hier um 1520 geboren und hier mit etwa 26 Jahren von ihren Brüdern getötet wurde, als diese ihren Briefwechsel mit Diego Sandoval de Castro, dem Baron von Bollita, entdeckten.
Sehenswertes
Die Burg war mit dem Lehen Favale — so hieß Valsinni damals — zu Beginn des 16. Jahrhunderts über die Adelige Menocca Vivacqua an die Familie Morra gelangt, die sie mit wechselndem Geschick rund 140 Jahre lang hielt, bis 1638; seit 1921 gehört sie der Familie Rinaldi. Im Inneren werden Werke, Dokumente und Schriften bewahrt, die vom Leben und von der Einsamkeit der Dichterin erzählen. Ihr Vater Giovan Michele Morra hatte auf der Seite von Franz I. gestanden: nach 1528 fiel das Lehen an die spanische Krone, er musste mit seinem Sohn Scipione nach Frankreich ausweichen, während Isabella mit ihrer Mutter Luisa Brancaccio und den übrigen Brüdern hier blieb. Nach dem Mord flohen auch die Brüder nach Frankreich; Isabellas Leichnam wurde nie gefunden.
Das Gebäude nimmt den höchsten Punkt des alten Ortskerns ein und beherrscht das Tal des Sinni. Die Gassen laufen in konzentrischen, übereinanderliegenden Reihen um es herum, und zwischen den Häusern tauchen die gafi auf: überdachte Steindurchgänge, die unter einem Haus hindurchführen und zwei Straßen auf verschiedener Höhe verbinden.
Der Besuch
In den alten Ortskern fahren keine Autos: Man stellt den Wagen außerhalb ab und geht zu Fuß die engen Gassen hinauf, die sich am Felssporn emporziehen. Die Besichtigungen der Burg gehören zum Programm des Literaturparks Isabella Morra, der 1993 rund um Burg und Ort eingerichtet wurde und im Sommer Kunst- und Handwerksausstellungen, Bänkelsänger und Lesungen in die Altstadt bringt.
Tipp der Redaktion
Nehmt ein paar Verse Isabellas mit und lest sie erst oben, mit Blick ins Tal auf die Stelle, an der der Fluss aus den Felsen tritt: das ist die letzte Enge des Sinni, von der Croce schreibt. Das gleichmäßige Rauschen des Wassers, das früher das Leben des Ortes begleitete, ist allerdings viel leiser geworden: seit 1985 hält der Staudamm von Monte Cotugno den größten Teil des Flusses zurück.
