1799 verbüßte Baron Giovanni di Giura seine Strafe im Erdgeschoss des Turms seines eigenen Hauses, der seit Langem auch als Gefängnis diente: Die Gedenktafel dazu ist in die Fassade eingelassen, angebracht bei der Restaurierung des 19. Jahrhunderts. So entstand der Palazzo baronale Di Giura, der Wohnsitz der gleichnamigen Familie in Chiaromonte: angelehnt an die Ostseite des mittelalterlichen Befestigungsrings des Ortes und einen seiner Rundtürme einbeziehend.
Sehenswertes
Der Turm ist der auffälligste Teil: Oben kamen Zinnen hinzu und am Schaft eine Reihe zweibogiger Fenster, doch ein Eingang zur Straße wurde nie geöffnet. Man erreicht ihn nur aus dem Inneren des Palazzo, weil die ursprüngliche Wehrfunktion bewusst erhalten blieb; drinnen führt eine hölzerne Wendeltreppe bis nach oben, und von dort liegt das ganze Sinni-Tal vor einem. Bis vor wenigen Jahren beherbergte der sogenannte chinesische Saal die Bibliothek des Palazzo und eine Sammlung chinesischer Objekte, die einem Di Giura gehört hatte, der Mandarin am Kaiserhof war.
Der übrige Bau besteht aus Blöcken jenes metamorphen Gesteins, das man hier Puddinga nennt und das im Gebiet am leichtesten zu finden war; er erhebt sich über drei Ebenen: Das Erdgeschoss öffnet sich zur Straße, erstes und zweites Geschoss haben eigene Zugänge vom Garten. Der Garten ist selbst ein Stück Befestigung, gewonnen durch das Ummauern der Fläche unmittelbar hinter den mittelalterlichen Wehranlagen; das Gefälle wurde mit Terrassen aufgefangen, bepflanzt mit immergrünen Bäumen, Zypressen, Tannen, Zedern und Kiefern. Zwischen ihnen stehen vier weitere Türme, zwei viereckige und zwei runde, aus der Sanseverino-Zeit.
Der Besuch
Der Palazzo nimmt die Ostseite der Altstadt ein, und die Straßenfront ist das Erdgeschoss: Die Tafel des Barons lässt sich von außen lesen, ohne einzutreten. Die beiden anderen Ebenen wenden sich dem Garten zu, und erst von dort versteht man die Anlage, denn Palast und Mauer sind dasselbe. Wenn Sie in den Turm gelangen, steigen Sie hinauf: Die Wendeltreppe führt zum höchsten Punkt des Osthangs.
Tipp der Redaktion
Bleiben Sie nicht im Ort. Draußen, in der Contrada Battifarano, steht ein zweites Gebäude derselben Familie: die Torre di Giura, hier vor allem Torre Albineta genannt. Wer sie nach dem Palazzo sieht, begreift, wie weit die Kontrolle der Di Giura über dieses Land reichte, innerhalb wie außerhalb der Mauern.
