Bis vor wenigen Jahren lief man noch über den ursprünglichen Boden: Terrakotta aus dem 16. Jahrhundert, verlegt, als die Kapelle der Assunta längst stand. Heute ist er verschwunden, und in Viggianello ist das das Erste, was man über dieses kleine Gebäude erzählt bekommt. Gewollt haben die Kapelle die Fürsten Sanseverino im 15. Jahrhundert, in eben den Jahren, in denen der Ort dauerhaft in ihren Besitz überging: Die Sanseverino, Fürsten von Bisignano, hielten Viggianello von jenem Jahrhundert an als Lehen, und die Assunta ist die Spur, die sie unter den Kirchen des Ortes hinterließen.
Sehenswertes
Im Inneren hat sich ein Fresko aus dem 16. Jahrhundert erhalten, mit Vorbehalt dem Ferro zugeschrieben. Man sieht es besser, wenn man weiß, was ringsum steht: Fast alle anderen Kirchen Viggianellos sind älter und stammen aus byzantinischer oder normannischer Zeit, von den Kapellen der über das Land verstreuten Bauernweiler bis zur Kirche San Nicola beim Kastell, heute eine Ruine mit wenigen Freskenresten. Die Assunta ist etwas anderes: eine herrschaftliche Gründung, gewollt von einer Feudalfamilie, die den Ort in denselben Jahrzehnten von oben her umschrieb.
Der nächstliegende Vergleich ist die Burg. Im 16. Jahrhundert bauten dieselben Sanseverino die Festung zum Palast um, da die Verteidigung nicht mehr nötig war: Die Kapelle gehört in diese Zeit, als die örtliche Macht aufhörte, sich zu befestigen, und anfing zu bauen, um gesehen zu werden.
Der Besuch
Es ist ein kleines Bauwerk und sollte als solches genommen werden: ein kurzer Halt auf einem längeren Gang durch den alten Ortskern. Bedenken Sie, dass Viggianello kein geschlossenes Dorf ist, sondern eine Ansammlung von Siedlungskernen unterschiedlicher Größe, eine Anlage, die schon auf Karten von 1797 verzeichnet ist: Steigungen, enge Gassen und die eine oder andere Nachfrage nach dem Weg gehören dazu. Drinnen sucht man zuerst den Boden und die Stelle, an der die alte Terrakotta dem neuen Belag gewichen ist.
Tipp der Redaktion
Verbinden Sie den Besuch mit der Mutterkirche Santa Caterina d'Alessandria, die unter der Baronie der Bronzuto 1634 erweitert oder neu errichtet wurde, und fragen Sie nach der Krypta: Dort unten sitzen drei mumifizierte Priester auf einer Bank, in vergoldete Messgewänder gehüllt. Gleich nach der Fürstenkapelle gesehen, erklärt das besser als jede Beschriftung, wie sich die Frömmigkeit in Viggianello geschichtet hat: eine Kapelle, von einer Familie gewollt, eine Mutterkirche, von einer anderen erneuert.
